REZI Legacy.de, 07/2007

IN MITRA MEDUSA INR I
Kalte Farben
(Apollyon/Alive)

Eine nostalgische Zeitreise des mit Gitarren unterfütterten Elektrowaves könnte man das sechste Album IN MITRA MEDUSA INRIs nennen. Die Mönchengladbacher trotzen in ihrer mittlerweile 15-jährigen Bandgeschichte Zeiten der Stagnation bis hin zur zeitweisen Auflösung und legen mit "Kalte Farben" ein Album vor, das sowohl ihrer bisherigen Linie treu bleibt, als auch Raum für Innovationen lässt. Ein Novum ist der relativ hohe Anteil deutscher Texte, die jedoch alle Klischeeriffe sauber umschiffen, an denen viele gern leckschlagen. Allen Stücken gemein ist ein ausgesprochener Ohrwurmcharakter und eine vorherrschend warme Klangfärbung, die durch den sehr angenehm tönenden Gesang noch verstärkt wird. Die Produktion ist exzellent und das Verhältnis von Elektronik und Gitarren sehr ausgewogen. Stücke wie ´Nimm Die Lügen Von Mir´, ´Why Can't You Sing At Daylight´ und ´Keine Fragen´ sind sehr eingängig und tanzbar, bevor mit ´Come On´ das erste Stück in die Gehörgänge dringt, das eindeutig aus dem Rahmen fällt. Eingangs eher atmosphärisch und schleppend gehalten, gleitet es langsam in für IN MITRA MEDUSA INRI typischere bpm-Gefilde. ´One Last Time´ schleicht sich mit einer stimmungsvollen Akustikgitarre ein, die sich sehr gut mit den elektronischen Elementen verbindet. Die sich von den Strophen zum Refrain aufbauende Songstruktur bringt eine leicht melancholische Dramatik ins Spiel. Als Kontrast folgt das recht flotte ´Komm Ins Licht´. Langsame Stücke wechseln sich mit etwas schnelleren ab, und die Soundtüfteleien in den Songs lassen einen immer wieder neue Details entdecken. ´Say Goodbye´, ein stilistischer Ausreißer mit einer etwas schrägen Stimmung und an alte Garden Of Delight erinnerndem Gesang, wäre ein wahrhaft würdiger Abschluss für "Kalte Farben". Denn leider muss man sagen, dass IN MITRA MEDUSA INRI mit dem Bonustrack ´Sag Mir Wo Die Blumen Sind´ einen kleinen Fehlgriff gelandet haben. Einerseits wurde dieser Song bereits bis zum Erbrechen gecovert, zum anderen können Soundgewand und der etwas leiernde Gesang einfach nicht überzeugen. Abgesehen davon ist "Kalte Farben" ein überdurchschnittliches Album in diesem Genre.
(ES) 11 Punkte

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