REZI backagain.de, 06/2007

IN MITRA MEDUSA INR I
Kalte Farben
(Apollyon/Alive)

Ja, ich fand IN MITRA MEDUSA INRI irgendwann in den 90er Jahren ziemlich blöd, ohne auch nur einen Ton von der deutschen Band gehört zu haben. Das lag einfach nur am Bandnamen selbst, den ich vorschnell den „Neuen Deutschen Todeskünstlern“ zuordnete... es lebe das Vorurteil!

Das änderte sich aber schnell, als ich Musik der Gruppe hörte, die nun gar nichts mit pseudoliterarischem Selbstmitleid-Musiktheater zu tun hatte, sondern sich eher am New Wave Sound der 80er Jahre orientierte und einige hörenswerte Songperlen hervorbrachte. Nach längerer Zeit nun ein neues Album, das mir als Promo-CD-R vorliegt. Elf Songs mit knapp 53 Minuten Spielzeit, wobei die einzelnen Songs nicht vollständig sind, dafür aber ineinander übergehen, was das Teil sicher zu einem Sammlerstück unter Fans machen wird. Gut, für mich mindert es etwas den Hörgenuss, nicht das fertige „Produkt“ besprechen zu können, das der Käufer dann im Laden erhält, aber solche albernen Maßnahmen (Label und Band werden mir da widersprechen) erwartet man sonst eigentlich von beschissenen Majorlabels, die ihre Veröffentlichungen teilweise so mit Kopierschutz verschlüsseln, dass ich sie nicht mehr hören kann (We Are Scientists-Album Europapressung).

Gut, es soll hier um die Musik gehen und die ist, wie nicht anders zu erwarten war, wieder einmal gut gelungen, wobei vor allem die homogene Mischung aus tanzbarem Electro-Sound und wavigen Gitarren mit angenehmen Gesang hervorsticht und die schönen Melodien die einzelnen Songs fast durchgehend hörenswert machen. Auffallend ist die häufigere Verwendung von deutschen Texten, die aber absolut unpeinlich sind.

Gut gelungen ist auch das Cover, dass an so manches alte Cover für 4 AD von 23 Envelope erinnert, auch, wenn die Farbgebung eine ganz andere, viel kältere ist, was ja aber zum Albumtitel passt. Eine nette kleine Überraschung ist schließlich die Coverversion des Hippie-Klassikers „Sag Mir Wo Die Blumen Sind“, sicher eine für eine Waveband nicht gerade nahe liegende Songauswahl. Dafür ist die Version aber sehr eigenwillig geworden und bis auf den Text ist nichts geblieben, nicht einmal die bekannte Melodie.

Bleibt eigentlich nur zu sagen: Wer IN MITRA MEDUSA INRI bisher mochte, macht auch mit „Kalte Farben“ garantiert nichts falsch. Sehr angenehm, dass eine Band, obwohl sie zeitgemäß klingt, ihre Wurzeln nicht vergisst. Schönes Album, auch wenn der „Mega-Mix“-Charakter der Promo-CD-R der Stimmung nicht gut tut, weil es keinerlei Pausen gibt, aber das Problem werden die Käufer im Laden ja nicht haben.

(A.P.)

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