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IN
MITRA MEDUSA INR I
Kalte Farben
(Apollyon/Alive)
Ja, ich fand IN MITRA MEDUSA INRI
irgendwann in den 90er Jahren ziemlich blöd, ohne
auch nur einen Ton von der deutschen Band gehört
zu haben. Das lag einfach nur am Bandnamen selbst, den
ich vorschnell den „Neuen Deutschen Todeskünstlern“
zuordnete... es lebe das Vorurteil!
Das änderte sich aber schnell,
als ich Musik der Gruppe hörte, die nun gar nichts
mit pseudoliterarischem Selbstmitleid-Musiktheater zu
tun hatte, sondern sich eher am New Wave Sound der 80er
Jahre orientierte und einige hörenswerte Songperlen
hervorbrachte. Nach längerer Zeit nun ein neues Album,
das mir als Promo-CD-R vorliegt. Elf Songs mit knapp 53
Minuten Spielzeit, wobei die einzelnen Songs nicht vollständig
sind, dafür aber ineinander übergehen, was das Teil
sicher zu einem Sammlerstück unter Fans machen wird.
Gut, für mich mindert es etwas den Hörgenuss,
nicht das fertige „Produkt“ besprechen zu können,
das der Käufer dann im Laden erhält, aber solche
albernen Maßnahmen (Label und Band werden mir da
widersprechen) erwartet man sonst eigentlich von beschissenen
Majorlabels, die ihre Veröffentlichungen teilweise
so mit Kopierschutz verschlüsseln, dass ich sie nicht
mehr hören kann (We Are Scientists-Album Europapressung).
Gut, es soll hier um die Musik
gehen und die ist, wie nicht anders zu erwarten war, wieder
einmal gut gelungen, wobei vor allem die homogene Mischung
aus tanzbarem Electro-Sound und wavigen Gitarren mit angenehmen
Gesang hervorsticht und die schönen Melodien die
einzelnen Songs fast durchgehend hörenswert machen.
Auffallend ist die häufigere Verwendung von deutschen
Texten, die aber absolut unpeinlich sind.
Gut gelungen ist auch das Cover,
dass an so manches alte Cover für 4 AD von 23 Envelope
erinnert, auch, wenn die Farbgebung eine ganz andere,
viel kältere ist, was ja aber zum Albumtitel passt.
Eine nette kleine Überraschung ist schließlich
die Coverversion des Hippie-Klassikers „Sag Mir Wo Die
Blumen Sind“, sicher eine für eine Waveband nicht
gerade nahe liegende Songauswahl. Dafür ist die Version
aber sehr eigenwillig geworden und bis auf den Text ist
nichts geblieben, nicht einmal die bekannte Melodie.
Bleibt eigentlich nur zu sagen:
Wer IN MITRA MEDUSA INRI bisher mochte, macht auch mit
„Kalte Farben“ garantiert nichts falsch. Sehr angenehm,
dass eine Band, obwohl sie zeitgemäß klingt, ihre
Wurzeln nicht vergisst. Schönes Album, auch wenn
der „Mega-Mix“-Charakter der Promo-CD-R der Stimmung nicht
gut tut, weil es keinerlei Pausen gibt, aber das Problem
werden die Käufer im Laden ja nicht haben.
(A.P.)
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