REZI Zillo, 04/2007

IN MITRA MEDUSA INRI - Ein Neuanfang

"Diese CD wird unser Leben bestimmen und hat schon jetzt unser Leben verändert", sagten In Mitra Medusa Inri im Vorfeld über ihre aktuelle Album-Veröffentlichung "Kalte Farben" aus, die für die 1992 gegründete Wave-Band aus Mönchengladbach einen gefühlten Neuanfang darstellt. Erklärende Worte fand Gitarrist Michael Gronau.

"Das ist eines der schwierigsten Alben unserer Bandgeschichte, weil wir unheimlich viele schwere Dinge im privaten Leben zu bewältigen hatten und auch Überlegungen anstanden, wie es wohl mit In Mitra Medusa Inri weiter gehen wird. Wir haben zwei Jahre an den Songs gefeilt und immer wieder viel verändert. Ich hoffe man hört auch, dass wir uns verändert haben, denn bei den letzten Alben wurde uns immer vorgeworfen, wir seien zu ruhig. Wir konnten das nicht mehr hören und fanden das auch sehr seltsam. Denn die Menschen, die uns live sahen, waren da immer ganz anderer Meinung. Uns gibt es jetzt bereits zehn Jahre und dann und wann stellt man sich die Frage, wie es weitergehen soll. Diesen Veränderungsprozess zeichnet das neue Album aus. Anhand des letzten Songs "Say Goodbye" haben wir versucht, den Kampf, der ins uns stattfindet, musikalisch festzuhalten. Sagt "Auf Wiedersehen" und beginnt ein neues Leben im Hier und Jetzt. Lasst alte Schatten hinter euch verschwinden, geht den Weg des Unbekannten!"

Ergo betrachtet man "Kalte Farben" als eine Art Wiedergeburt nach über 14jähriger Bandexistenz. "Wir können diese CD nicht mit den anderen In Mitra Medusa Inri Alben vergleichen", so Michael. "Es ist in dem Sinne keine Fortentwicklung, sondern ein Neuanfang. Wir können es nicht erklären, aber es haben sich neue Tore und Türen geöffnet. Wir haben den Schlüssel gefunden." Teil dieser Veränderung war auch der Zuwachs an deutschsprachigen Texten. "Ja, das war eine natürliche Entwicklung", überlegt Michael. "Als die Texte entstanden, waren die vier deutschen Songtexte einfach so gut, dass wir fühlten, sie bedürfen keiner Übersetzung. Wir haben den Song "Keine Fragen" vorab auf unsere Homepage und auf unsere Myspace-Seite gesetzt und der Song kommt so gut an. Wir sind selbst ganz überwältigt von den vielen positiven Resonanzen."

Gut in den Reigen deutscher Texte passt auch die Vertonung des Gedichtes "Sag Mir, Wo Die Blumen Sind", das einst schon Marlene Dietrich sang. "Sag Mir Wo Die Blumen Sind" haben wir 1998 aufgenommen. Seitdem ruhte es im Tresor", grinst der Gitarrist. "Wir wussten nie, was wir mit dem Song machen sollten, bis wir mit unserer neuen CD begannen. Da wurde uns schnell klar, dass der richtige Zeitpunkt für diesen Song gekommen war, denn wir glauben an das Schicksal und vertrauen auf unser Gefühl. Alles zu seiner richtigen Zeit. Zudem möchten wir natürlich auch zeigen, dass wir nicht erst seit heute deutsche Texte einsetzen."

Betitelt hat man das neue Album ebenfalls in der Muttersprache mit "Kalte Farben", was allerlei Assoziationen zulässt. Was also symbolisiert der Titel für die Band? "Kalt sind die Farben - kalt ist die Welt - warm sind die Worte, die wir spüren. Wir versuchen eine Symbiose der Gegensätze zu erschaffen. Die Worte in den Songs schreien nach Annäherung und Weitermachen, doch die "Kalten Farben" - auch ein Begriff für die Kalte Welt, die Kalten Worte - stehen im Kampf miteinander, ringen um das Siegerpodest."

Und um das Siegerpodest ringen könnt auch Ihr, liebe In Mitra Medusa Inri Hörer, denn "Kalte Farben" wird ein Kreuzworträtsel rund um die Band beiliegen. Bei der richtigen Auswertung des Rätsels gibt es einen Abend mit der Band zu gewinnen. Dabei werden die beiden Bandmitglieder Michael und Sänger Holger den/die Gewinner/in privat bekochen und einen netten Abend bereiten. Das ist doch was, oder?

Seit mittlerweile 1992 sind In Mitra Medusa Inri dabei und haben währenddessen schon viele Bands kommen und gehen gesehen. Wie hat sich seitdem aus ihrer Sicht die schwarze Szene und der Musikmarkt entwickelt? "Zum Schlechten hat sich der Überfluss entwickelt", überlegt Michael. "Man wird nur so zugeschüttet mit Massenprodukten. Viele Dinge laufen nur noch nur übers Geld und Beziehungen. Das nervt schon ziemlich. Der Ursprungsgedanke, aus dem die Szene entstand, ist leider zum großen Teil verloren gegangen. Warum versuchen so viele auf einer Welle mitzuschwimmen und gehen nicht mal einen anderen Weg, als eine nackte Frau auf dem Cover abzulichten oder in irgendwelchen Futurepop-Gefilde zu versinken?". Für In Mitra Medusa Inri hat es hingegen bisher nicht zu größerer Bekanntheit gereicht, doch die Band lässt sich davon nicht entmutigen. Was treibt sie an, weiter zu machen? "Die Lust - das Wort - der Schmerz - unser Seelenheil. Musik ist Leben und Leben ist Musik", so fasst Michael abschließend zusammen, was ihm In Mitra Medusa Inri und ganz allgemein Musik bedeutet. "Wir werden weiter unsere Musik machen und sehen, wo der Weg uns hinführt. Es ist ungewiss, wer weiß, was morgen sein wird?"

Sascha Blach
VÖ des Albums "Kalte Farben": April 2007
www.inmitramedusainri.com

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