REZI Gothic Magazine, 05/2007

IN MITRA MEDUSA INR I
Kalte Farben und keine Fragen

IN MITRA MEDUSA INRI sind eine in sich ruhende Konstante, in der Flut von monatlichen Neuerscheinungen im elektronisch-orientierten Wave-Sektor. Seit über einem Jahrzehnt veröffentlicht die sympathische Formation mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder äußerst gelungene Alben, die mit dem musikalischen Fastfood der Moderne nichts am Hut haben. "Kalte Farben", das neueste Werk des Duos, reiht sich nahtlos in die Abfolge dieser rundum stimmigen Full-Length-Scheiben ein. Wir plauderten mit MICHA und HOLGER nicht nur über die letzten Geschehnisse innerhalb der Band, doch lest selbst.

Guten Tag, die Herren. Erst einmal Gratulation zur Vollendung des neuen Albums "Kalte Farben". Die erste Frage liegt auf der Hand: Wie lange habt ihr an dem guten Stück gearbeitet? Und wie steht ihr zu den Songs, jetzt wo die Scheibe endlich veröffentlicht ist?
MICHA: An unserer neuen CD haben wir circa zwei Jahre gearbeitet. Haben wir doch vorher fast im Jahrestakt CDs veröffentlicht, so haben diese Songs wesentlich mehr Zeit benötigt. Wir haben die immer wieder umgearbeitet bis wir endgültig zufrieden waren, und wir denken dass so unser bisher eingängigstes Album entstanden ist. Die Songs sind einfach klasse. Es ist wirklich einen gute Mischung geworden aus dem was IN MITRA MEDUSA INRI ausmacht bzw. auch in Zukunft ausmachen wird. Wir konnten selten unsere eigenen CDs so oft zu Hause hören.

Wo seht ihr die größten Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen "Kalte Farben" und eurem letzten Werk "Without A View Of Things"?
HOLGER: Unser neuer Longplayer hat natürlich die stimmliche Gemeinsamkeit. Zum anderen aber auch die Atmosphäre für die IN MITRA MEDUSA INRI bekannt sind. Bei "Without A View Of Things" hatten wir eine ganz andere Herangehensweise an die Songs. "Kalte Farben" ist sehr eingängig geworden, und wir haben es geschafft die Stücke auf den Punkt zu bringen. Wir haben Ohrwümer geschaffen, und kommen nun endlich einmal von dem Statement weg, das wir nur ruhige Musik kreieren, nur was für zu Hause. Zum anderen waren wir selbst natürlich sehr motiviert unseren Fans und neuen Hörern zu zeigen, dass wir nicht stehen bleiben, uns musikalisch weiterentwickeln. Gerade wenn man ältere Veröffentlichungen hört, sind wirklich viele Unterschiede auf den Alben festzustellen. Angefangen bei der Bookletgestaltung, welches bei der neuen CD dieses Mal wirklich sehr hell ist: Lila und Weiß sind die dominierenden Farben. Eine andere Gemeinsamkeit ist natürlich der unverkennbare IMMI-Sound. Die Gitarren, die schönen Flächen und der Gesang.

Eine mit Sicherheit große Neuerung zu euren letzten Alben, ist die Tatsache, dass ihr nun auch eure Muttersprache benutzt. Wie schwer ist es, den schmalen Grat zwischen anspruchsvollen Texten und Kitsch zu begehen, ohne dabei auszurutschen? Was führte zu dieser Entscheidung?
MICHA: Das war eine natürliche Entwicklung. Als die Texte entstanden waren die vier deutschen Songtexte einfach so gut, das wir fühlten und wussten die können wir so stehen lassen. Sie bedürfen keiner Übersetzung. Wir haben den Song "Keine Fragen" vorab auf unsere Homepage und auf unsere MySpace-Seite gesetzt. Was soll ich sagen? Der Song kommt so gut an, dass wir selbst ganz überwältigt von den vielen positiven Resonanzen sind. Wir haben uns tatsächlich keine Gedanken darüber gemacht, ob die deutschen Texte zu kitschig sein könnten. Wir hatten das Gefühl, das sie gut sind und eine wirkliche Harmonie mit der Musik und mit HOLGERs Stimme ergeben.

Ihr seid mittlerweile alte Hasen in der Szene. Wie beurteilt ihr persönlich die Wave- und Goth-Szene anno 2007? Gibt es Dinge, die euch heutzutage besser gefallen, als noch zu eurer Anfangszeit Mitte der Neunziger Jahre?
MICHA: Zum Schlechten hat sich der Überfluss an Musik entwickelt. Man wird nur so zugeschüttet mit Massenprodukten. Zum größten Teil laufen so viele Dinge nur über Geld und Beziehungen. Das nervt schon ziemlich. Der Ursprungsgedanke aus dem die Szene entstand ist leider zu einem großen Teil verloren gegangen. Warum versuchen immer so viele auf einer Welle mit zu schwimmen und gehen nicht mal einen anderen Weg? Eine nackte Frau auf dem Cover oder im Booklet der CD abzulichten, oder in irgendwelche Futurepop-Gefilde zu versinken, ist nicht wirklich eine bravouröse Leistung.

Was ich in Bezug auf IMMI immer dachte, ist, dass euch wahrscheinlich nur ein waschechter Hit fehlt, der in den Clubs rauf- und runtergespielt wird, um euch auch endlich mal außerhalb
HOLGER: Wir haben uns sicherlich darüber gefreut, wenn wir in Clubs mit diversen Songs liefen, es war nie wichtig für uns. Das Komische bei uns ist, dass Leute, die uns Live sahen, sich immer wunderten, dass wir noch nicht bekannter sind. Auf dem M'Era Luna 2005, als wir samstags morgens um 11 Uhr das Festival eröffneten, wurde uns anschließend von so vielen Seiten gesagt "Jungs, ihr könnt wirklich mit jeder großen Band mithalten!"

Ihr habt eine Mini-Tour, die für Anfang Mai angekündigt wurde, leider abgesagt. Kurz darauf folgten natürlich die Gerüchte, dass ihr euch getrennt hättet, was natürlich Unsinn ist. Wie kam es zu der Absage?
MICHA: Es läuft leider im Leben nicht immer alles so wie man sich es vorstellt. Gerade jetzt, wo das Album veröffentlicht wurde, schmerzt es sehr, dass wir die Tour leider canceln mussten. Getrennt haben wir uns nicht. Das muss hier noch mal betont werden.

Eure Hoffnungen, Pläne und Träume für die Zukunft?
HOLGER: Wir blicken ganz entspannt in die Zukunft. Wir werden uns wieder hinsetzen, einen neuen Longplayer schreiben, sehen dass sich im privaten Bereich alles wieder zum Guten wendet. Und, so banal und abgedroschen es sich anhören mag, einfach nur Gesundheit und wissen das man Freunde hat, die auch in schwierigen Zeiten zu einem halten.


Thomas Thyssen

www.gothic-magazine.de

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