Interview gothic-witch.de, 05/2007

Vor 15 Jahren, nämlich im Jahre 1992, genau zu dem Zeitpunkt als man den Wave tot glaubte wurde In Mitra Medusa Inri ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, ihre Erlebnisse und Emotionen in Musik umzusetzen, begannen Volker und Holger, zu denen bald Michael stieß, ihr musikalisches Schaffen. Bereits drei Jahre später wurde aber Aufgrund von internen Differenzen trotz des beachtlichen Erfolges zunächst ein Schlussstrich unter die Band gezogen.

Getrieben durch zahlreiche Anfragen stand aber schon bald darauf, 1996, eine Re-Union zur Diskussion. Nach ausführlichen Gesprächen, die ein Auftreten der bekannten Differenzen ausschließen sollten, einigte man sich auf einen Neubeginn. Die CD »Long forgotten world« wurde produziert und verkaufte sich rund 2.000 Mal. Bedauerlicherweise traten aber rasch wieder Probleme auf, weshalb sich Holger und Michael vom damaligen Sänger Volker trennten, um neue Wege zu gehen… Da Volker mit neuer Band eine weitere CD unter dem Bandnamen In Mitra Medusa Inri veröffentlichte firmierten Micha und Holger unter dem neuen Projekt My Personal Countdown. Nach dem erneuten aus von (Volkers') In Mitra Medusa Inri beschloss man 1998 dann wieder unter dem alten Bandnamen weiterzumachen. Denn IMMI, eigentlich eine phantasievolle Aneinanderreihung von Begriffen, hat sowohl für Holger als auch für Micha dann doch eine tiefere Bedeutung nach sich gezogen – denn diese Band ist und war „ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens“.

...und nun, genau zwei Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung »Without a View of Things« präsentiert das Duo In Mitra Medusa Inri mit Kalte Farben einen überraschend elektronischen aber zugleich auch gefühlvollen und warmen Longplayer. Dazu „standen“ uns beide Rede und Antwort:

Während Eure früheren Werke wesentlich Gitarren-lastiger waren und immer wieder Vergleiche wie »Joy Division« und »The Cure« genannt wurden, ist Eure neue Veröffentlichung „KALTE FARBEN“ ja wesentlich elektronischer, insgesamt gesehen sogar recht Electro-lastig ausgefallen. Wie kam es zu dieser Umstellung Eures Sounds?

Holger: „Das war einfach ein Entwicklungsprozess. Wir lassen uns immer treiben von dem was gerade Ideen-„technisch“ bei uns passiert. Vor allen Dingen versuchen wir nicht uns einzuschränken und sind offen für uns neue Dinge. Wichtig ist für uns allein, daß die Songs gut klingen und wir damit zufrieden sind – ob sie nun elektronischer ausfallen oder gitarrenlastiger. Wenn der Song gut ist, dann lassen wir ihn so wie wir ihn gut finden. Vor allen Dingen lassen wir uns nicht einschränken von irgendwelchen Vorgaben oder Schubladen in die man gerne gesteckt wird.“

Eure Songs sind aber doch im Bereich „warm und gefühlvoll schwarz“ anzusiedeln, welche nähere Bedeutung liegt deshalb dem Albumtitel zugrunde?

Micha: „Wir spielen gerne mit den Gegensätzen. „Kalt sind die Farben – kalt ist unsere Welt“, so lautet es im Pressetext. Die Songs hingegen sind warm und gefühlvoll. Wir möchten einfach ein Stück Wärme vermitteln – in der Hoffnung, daß es uns gelingt.“

Stehen die einzelnen Stücke Eures Albums in einem übergeordneten Kontext oder sind es einzelne Geschichten? Verarbeitet Ihr in Euren Texten die eigenen Erlebnisse oder sind es eher Beobachtungen aus der Umwelt?

Micha: „Im Grunde genommen sind es zum Teil, und in gewisser Art und Weise, Liebeslieder oder erlebtes aus Beziehungen zu anderen Menschen. Aber die Texte sind in erster Linie autobiographisch und wir verarbeiten Dinge die uns in den letzten beiden Lebensjahren während der Entstehung des Albums begleitet haben. Natürlich immer in der Hoffnung, daß wir die HörerInnen damit ansprechen und sie Zugang zu den Lyrics finden.“

Entstehen diese Songs und Lyrics nach festen Regeln? Hat jeder von Euch beiden seinen angestammten Aufgabenbereich?

Holger: „Nein, wir haben keine Aufgabenteilung. Feste Regeln nach denen die Song entstehen haben wir auch nicht. Manchmal gibt es zuerst den Text, dann wiederum die Musik zuerst. Zumal wir dieses Mal die Stück sehr oft umgearbeitet haben bis sie wirklich zu dem wurden was nun „Kalte Farben“ darstellt. „How come I can tell you“ wurde sogar nochmal eine Woche vor dem Studiotermin komplett überarbeitet. Wir lassen uns auch hier immer von unserem Feeling leiten."

Müsst ihr Euch denn dann auf einen „gemeinsamen Nenner“ einigen, oder entstehen Konflikte aus dieser engen gemeinsamen Arbeit an den Songs?

Micha: „Konflikte würde ich nicht sagen. Es gibt Meinungsverschiedenheiten die dann ausdiskutiert werden, aber vom Konflikt sind wir da weit entfernt. Ja und wir kennen uns 15 Jahre – da weiß man wie der andere tickt. Ein Glück. Und man weiß auch was dem anderen gefällt und was nicht."

Wieso musste das Lied „Sag mir wo die Blumen sind“, eine Coverversion und gleichzeitig der Bonustrack auf „KALTE FARBEN“, fast 10 Jahre auf seine Veröffentlichung warten?

Holger: „Ja warum? Wir haben es aufgenommen und dann ergab sich nie die passende Gelegenheit es auf ein Album zu packen – denn es hätte auf jedes andere Album von uns wirklich nicht gepasst. Aber zum neuen Album „KALTE FARBEN“ passte es wirklich hevorragend. Auch wenn es bei vielen Leuten nicht so gut ankommt. Das stört uns aber nicht sonderlich. Zum anderen möchten wir aber auch zeigen, daß wir auch schon vor 10 Jahren deutsche Musik gemacht haben. Wir haben diesem Song deswegen kein extra Mastering oder ähnliches unterzogen, sondern es mit rauschen und allem anderen auf die CD gepresst.“

Eure Texte sind sowohl deutsch als auch englisch, war es von Anfang an klar, daß deutsch in Euren Songs zum Einsatz kommt?

Micha: „Das war eine natürliche Entwicklung. Als die Texte entstanden waren die vier deutschen Songtexte einfach so gut, daß wir fühlten und wussten: »Die können wir so stehen lassen«. Sie bedürfen keiner Übersetzung. Und wir wussten das ist genau das Richtige. Wir haben den Song „Keine Fragen“ vorab auf unsere Homepage und auf unsere mySpace-Seite gesetzt. Was soll ich sagen – der Song kommt so gut an. Wir sind selbst ganz überwältigt von den vielen positiven Resonanzen.
Wir haben uns tatsächlich keine Gedanken darüber gemacht, daß die deutschen Texte zu kitschig sein könnten. Wir hatten das Gefühl, daß sie gut sind und eine wirkliche Harmonie sowohl mit der Musik als auch mit Holgers' Stimme ergeben. Ja, und englisch haben wir schon immer gesungen. Das ist ja dann nicht unbedingt was neues für uns....“

Bei den vielen Rückschlägen in Eurer Bandhistory muß man bei Euch ja fast schon von „Stehaufmännchen“ sprechen. Was und wieviel bedeutet es Euch Musik zu machen?

Micha: „Musik ist unser Lebensinhalt. Und auch nach diversen Rückschlägen geht es immer weiter. Immerhin schon über zehn Jahre."

Micha, welche Eigenschaften schätzt Du an Holger besonders?

Micha: „Seine Ehrlichkeit und Aufgeschlossenheit – dazu seine Treue und sein Witz"

...und umgekehrt?

Holger: „Ehrlichkeit, Ehrgeiz – und Zielstrebigkeit“

Auch in Eurer Live-History gibt es Rückschläge, aktuell mußtet Ihr ja Eure kompletten Tour-Termine absagen. Wenn Ihr aber dann doch auf der Bühne steht, spielt ihr dann lieber auf größeren Festivals oder in kleinen Clubs mit Publikumsnähe?

Holger: „Das spielt eigentlich keine große Rolle. Wir freuen uns über jeden Live-Gig! Leider mussten wir aber die aktuellen Gigs ja komplett absagen... Das tut uns wirklich sehr leid. Aber im Leben läuft halt nicht alles so, wie es manchmal laufen sollte.“

Nennt uns mal Eure 3 liebsten »IMMI«-Songs:

Holger: „»Sometimes«, »There is no one calling« und »Keine Fragen«“ Micha: „»Nimm die Lügen von mir«, »Never Shareing« und »Say Goodbye...«“

Eure allgemeine Botschaft an die Fans?

Micha: „Glaubt an Euch selbst. Es wird immer weitergehen auch wenn ein Ende Euch Nahe scheint...“

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