Interview Zillo, April 2005

IN MITRA MEDUSA INR I
Das Diktat des Fröhlichseins

In der über zwölfjährigen Geschichte von In Mitra Medusa Inri gab es viele bewegende Momente, von denen nicht alle einfach nur schön waren. Die Band musste sich entwickeln, musste einige Tiefschläge einstecken und sich vom Trio zum Duo verwandeln, um mit ihrem fünften Album "Without A View Of Things" zu einer neuen kraft- und doch gefühlvollen Identität zu finden.

Zillo: Glaubt ihr, dass negative Erlebnisse im Leben Quellen sind, aus denen man lernt, oder seht ihr darin eher eine Verschlechterung des Lebens an sich?

Michael: Durch negative Erfahrungen lernt man sich selbst besser kennen. Es sind zwar oft harte Zeiten, die man als Mensch durchlebt, die aber prägen und auch das Leben verändern können, die Denkweise und die Sicht auf die Dinge, die um uns herum geschehen. Denn ohne eine Sicht der Dinge - "Without A View Of Things" - kann man auch ohne Meinung sein und in Gleichgültigkeit abdriften. Aber genauso kann ohne eine Sicht der Dinge bedeuten, dass man offen an eine Sache heran geht, es geschehen lässt und das Geschehene für sich als positiv auswertet - selbst wenn es eine negative Erfahrung ist. Nein, negative Erlebnisse sind keine Verschlechterung des Lebens, sondern können Kraft geben, dass Leben mit all seinen Hürden und Hindernissen zu meistern.

Zillo: Mit eurem neuen Album bewegt ihr euch deutlich mehr zur wavigen Gitarre hin, und auch sonst lassen sich einige Neuerungen wahrnehmen. Waren diese Veränderungen gewollt oder ergaben sie sich aus der Situation?

Michael: Die Veränderungen, was die Aufnahme der CD betrifft, waren gewollt. Das ist immer wieder das Versuchen andere Wege zu gehen und sich auf andere Dinge einzulassen - einfach den gewohnten Weg zu verlassen. Nur so kannst du zu neuen Erkenntnissen gelangen. Versuche einfach immer wieder neue Pfade zu beschreiten.

Zillo: In einer Zeit, in der Musik mehr massenkompatibles Produkt als expressionistische Kunst ist, ist eine Scheibe, wie die eure, ein gewagtes Unterfangen - geht ihr doch gezielt an stilistischen Klischees und Normen vorbei. Woher nehmt ihr die Kraft zur Eigenständigkeit?

Holger: Wir machen nur das, was wir können, und das möglichst gut. Warum sollten wir uns anpassen und Future Pop machen? Das ist doch langweilig. Sich selbst treu zu bleiben ist wichtig. Nehme unseren Bandnamen als Grundlage. Wir finden der steht schon für Eigenständigkeit. Die Projektion dessen findet sich in unserer Musik wieder.

Zillo: Kann man dieses Fernhalten von der dumpfen Masse auch auf die Menschen hinter In Mitra Medusa Inri übertragen?

Michael: Es kommt darauf an, wen du als dumpfe Masse bezeichnen würdest. Sind das die Big-Brother-Zuschauer, die Menschen die Dieter Bohlen gut finden? Dann würde ich ganz klar sagen: Wir sind anders! Wir setzen uns mit anderen Themen auseinander und haben ein anderes Weltbild. Wir sehen uns aber gar nicht als so etwas Besonders an. Wir schreiben Songs, setzen uns sehr viel mit unserer eigenen Person auseinander, reflektieren und sammeln Eindrücke. Werten diese dann in einem kreativen Prozess für uns aus. Sicherlich wird durch diese andere Weltanschauung eine gewisse "Nicht-Massenkompatibilität" erreicht. Aber es wäre doch schlimm, wären die Menschen alle gleich. Wie langweilig! Wir sind wie wir sind, und das als ganzer Mensch.

Zillo: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet, einen den ihr allerdings nur auf die gesamte Menschheit und nicht auf Individuen anwenden könntet, was würdet ihr euch wünschen?

Michael: Das ist ganz einfach: Frieden und Harmonie, Kommunikation unter den Menschen. Nichts lieber als das. Es gibt ein Gefühl, dass die Menschheit immer kälter zu werden droht und eine Abschottung stattfindet. Klar, bei großen Katastrophen findet eine Spendenflut statt, was auch super ist, aber im Einzelnen regiert oft die Unterkühltheit, die Distanz, das Nach- Außen-Cool-Wirken und bloß nicht zeigen, dass man Gefühle hat. Man könnte ja verletzbar sein. Genauso auch die Tatsache: Warum muss man immer gut drauf sein? Das ist Shit! Sei so wie du bist. Lass dich nicht verbiegen und verändern!

Peter "Pöda" Sailer

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