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IN
MITRA MEDUSA INRI
Neue Wege
Auf In Mitra Medusa Inri
ist Verlass. „Without A View Of Things“ ist das mittlerweile
fünfte Album der Band vom Niederrhein und wieder
einmal mehr ein Wave-Album im klassischen Sinn, wobei
Holger und Michael mit jedem neuen Album mehr an einem
eigenem Profil gewinnen. Die Postpunkwurzeln von Bands
wie New Order oder Joy Division sind fast vollkommen verschwunden,
die Elektronik hat im Laufe der Jahre verstärkt Einzug
gehalten, auch wenn ein zweiter Gitarrist hinzu gekommen
ist und In Mitra sich von ihren ehemaligen musikalischen
MitstreiterInnen getrennt haben. Doch nicht nur „Without
A View Of Things“ gibt Hoffnung, dass 2005 ein gutes Jahr
für In Mitra wird, denn zum ersten Mal wird die Band
auf dem M’era Luna-Festival in Hildesheim auftreten, um
sich vor einem großen Publikum zu präsentieren.
Dies und das neue Album waren demnach Anlass genug, in
schon traditioneller Manier den Smalltalk mit Michael
und Holger zu suchen.
„Wir finden die Herausforderung
ein Gesamtkonzept zu erschaffen sehr gut. Das ist ein
Reiz, der einem keine andere Wahl läßt, als
sich mit bestimmten Themenkomplexen auseinanderzusetzen.
Wir könnten sicherlich auch „normal“ an eine CD herangehen.
Aber wir stellen uns immer gerne schwierige Aufgaben...“
war eine der Aussagen in unserem letzten Interview. Welches
Gesamtkonzept habt ihr für „Without A View Of Things“
umgesetzt?
Michael: Ein zentrales
Thema der CD, die diese auch wie einen roten Faden durchzieht,
ist der Umgang mit dem Thema Liebe und das Verlassen werden,
das Suchen. Das ganze zieht sich durch die einzelnen Stücke,
setzt sich dann im Booklet und auf dem Cover der CD fort.
Wir würden es als eine Art kleines Gesamtkunstwerk
bezeichnen. Das in unseren Augen auch das bisher beste
Booklet (Optik) hat. Zentrales Thema ist die Frau (siehe
Booklet) für die imaginär Texte bestimmt sind. Es
ist aber durchaus eine Projektion der Lyrics auf andere
Personen, egal ob nun männlich oder weiblich, gewollt
und beabsichtigt. So hoffen wir ein wenig zur Zweisamkeit
beizutragen. Eine Anregung zum Weg, den du gehst.
Knüpft ihr inhaltlich
hier an das Konzept von „Darkness BetweenUs“ an?
Michael: Lass es als eine
Weiterführung dessen stehen. Thematisch haben wir
uns bei „Without A View Of Things“ noch mehr geöffnet
und unser innerstes nach außen gekehrt. Das ganze
Werk, ist im Gegensatz zu „Darkness Between Us“ noch ein
wenig mehr autobiographisch geworden. Wir hoffen aber,
dass viele Hörer und Hörerinnen das Gefühl
und die Sätze der Texte auch für sich in Anspruch
nehmen können. Wir ihnen also somit ein Stück
Halt vermitteln können.
Warum arbeitet ihr eigentlich
generell auf dieser konzeptionellen Basis? Wäre es
nicht einfacher nur einmal Songs zu schreiben, die sich
nicht in einem besonderen Kontext bewegen?
Holger: Das hast sich für
uns als ein guter Weg erwiesen. Diese Arbeitsweise fordert
uns. Anderseits ist es aber auch wie ein Zeitfenster,
was du durchschreitest, wenn du an einem neuen Album arbeitest.
Du begibst dich in eine andere Welt. Bei uns ist es nun
dann immer wieder so, dass in dieser anderen Welt sich
dann auch ein neuer Gesamtthemenkomplex ergibt, der uns
zu einer Gesamtüberschrift kommen lässt. Du
wirst es nicht glauben, aber wir haben schon wieder Gedanken
für den nächsten Longplayer.
Welches waren die Gründe
euer neues Album „Without A View Of Things zu benennen“?
Holger: Ohne eine Sicht
der Dinge gehst du durchs Leben. Geräts in Situationen,
in den du dich entscheiden musst. Du weiss aber nicht,
welchen Weg du gehen sollst. Gehst du den geraden Weg
oder den mit den vielen Abzweigungen? „Ohne eine Sicht
der Dinge“ hat zwei Bedeutungen. Zum einen die Meinungslosigkeit:
dir ist alles egal und du lebst vor dich hin. Die zweite
Bedeutung: du bist neugierig und gehst völlig open
minded an eine Sache heran. Hier kommt der Zusammenhang
mit der Musik zustande. Wir sind völlig offen der
Gedanken an die neue CD herangegangen und haben versucht
alten Ballast über Bord zu werfen und für uns
neue Wege zu gehen. „Rejected And Forgotten“ ist so ein
Song. Bisher haben wir so etwas noch nicht gemacht. Der
Song basiert auf 3 Tönen, läuft über sechs Minuten.
Man spürt es aber nicht, da du durch den Song getragen
wirst. Öffne dich für neue Dinge und lasse es
an dich heran, gehe mit offenen Augen durch die Welt und
verschließe dich nicht vor dem Fremden und unbekannten.
Warum habt ihr „Without A View
Of Things“ nicht erneut mit Olli Müller produziert,
denn dessen Arbeit auf „Darkness Between Us“ war doch
wirklich sehr gut?
Michael: Ja wie der CD
Titel schon beschreibt. Ohne eine Sicht der Dinge oder
auch „gehe neue Wege“. Und das haben wir getan. Wir haben
hier wirklich sehr sehr viel selbst in die Hand genommen
und die CD mit unserem Tontechniker im hauseigenen Studio
aufgenommen. Das hat aber nicht zu bedeuten, dass wir
mit der Arbeit von Olli nicht zufrieden waren. Die war
super, diese Zusammenarbeit. Aber wie gesagt, wir gehen
gerne andere Wege, auch wenn es oft die schwierigeren
sind.
Wie seht ihr persönlich
die musikalische Entwicklung seit „Darkness Between Us“?
Ich finde, ihr habt euch mit „Without A View Of Things“
musikalisch noch einmal weiter entwickelt, zu einer noch
stärkeren eigenen Identität gefunden.
Holger: Dem können
wir nur zustimmen. Wir haben selbst das Gefühl, dass
sich unser Style, also so, wie wir unsere Musik machen,
immer mehr festigt und absolut eigen wird. Es fällt
auch vielen Leuten schwer Vergleiche zu finden, da wir
sehr eigene Musik machen. Aber besser als auf einen Zug
aufzuspringen und im Fahrwasser anderer zu schwimmen.
Und auch hier haben wir uns für den schwierigeren
Weg entschieden. Wir scheinen das zu lieben.
Ihr arbeitet in der Mehrzahl
mit englischen Texten, habt aber auch deutsche Texte.
Was fällt euch leichter, wenn es darum geht die Texte
zu schreiben? Wie entscheidet ihr, welche Sprache zu welchem
Lied passt?
Michael: Das kommt ganz
einfach auf den Text und die Musik an. Beim Opener der
CD ist der Text zusammen mit dem Stück entstanden.
Das hat förmlich nach einem deutschen Text geschrieen.
Und der Text dazu passt wirklich hundertprozentig. Deutsche
Texte zu schreiben ist schwieriger. Die Umschreibung der
Dinge muss sorgfältig gewählt werden. Im englischen
kannst du schnell auf Metaphern zurück greifen ala
„Open Your Eyes“ oder „Falling In Love With You“, was
im Deutschen nicht so einfach möglich ist. Da wir
auch einen sehr hohen Anspruch an uns haben, müssen
wir mal sehen, wie sich das Thema weiterentwickelt.
Liest man sich den Text zu „Wollte
meine Liebe auf Händen tragen“ durch, so hat man
fast den Eindruck, dass aus eurer persönlichen Erfahrung
heraus die Liebe eher ein notwendiges Übel ist, als
die Erfüllung all seiner Sehnsüchte. Ist dies
nicht eine sehr fatalistische Sichtweise? Glaubt ihr demnach
überhaupt noch an die wahre Liebe?
Holger: Hast du die Liebe
gefunden fühlst dich aber trotzdem absolut unglücklich
dabei. Was ist dann gut? Die Liebe gehen zu lassen oder
ihr nachzugeben und das Gefühl zu akzeptieren? In
wie weit bist du bereit Kompromisse einzugehen und den
anderen Menschen zu akzeptieren? Die Frage nach dem Suchenden
ist ja, nach was suchst du?. Nach der wirklichen Liebe,
oder nach jemandem, der dich hin und wieder in den Arm
nimmt und dich festhält und die Sorgen, Nöte,
Ängste, Hoffnungen, Erfolge mit dir teilt.
Im Gegensatz zu „Darkness Between
Us“ habt ihr dieses Mal keine Videos auf der CD. Hat sich
das einfach nicht ergeben, oder hattet ihr kein verwertbares
Material?
Holger: Verwertbares Material
hätte sich sicherlich gefunden. Nur wir haben uns
gegen den Trend entschieden alles mit Bonusmaterial zu
„überladen“. Also haben wir gesagt, wir machen eine
CD, und die hat ja immerhin sechzig Minuten Spielzeit,
und lassen Video und vor allen Dingen Remixe weg. Wir
stehen für unsere Musik ein, hoffen, dass wir im
Kopf der Hörer und Hörerin genügend Bilder
projezieren.
Was waren die Gründe dafür,
dass Ihr Euch von Euren Live-Musikern getrennt habt und
einen weiteren Gitarristen ins Line Up hinzu genommen
habt?
Michael: Auf die Gründe
der Trennung möchten wir gar nicht näher eingehen.
Nur ist es manchmal im Leben so, dass Veränderung
notwendig ist. Der Andreas K. spielt bei uns Gitarre und
halt auch Synthie. Es ist vom Stück abhängig.
Für die neuen Stücke der CD sind halt einfach
zwei Gitarren notwendig, da die Produktion der neuen CD
wesentlich gitarrenlastiger geworden ist.
Ihr spielt dieses Jahr das erste
Mal auf dem M’era Luna-Festival, unbestritten eins der
größten und wichtigsten Festivals in Deutschland.
Was bedeutet euch dieser Auftritt? Einfach nur ein weiterer
Auftritt oder auch so etwas wie die Bestätigung eurer
konstanten Arbeit?
Holger: Wir freuen uns sehr
darauf. Das ist wahrscheinlich nach Veröffentlichung
von „Without A View Of Things“ das nächste Highlight
dieses Jahr. Wir sind jetzt schon sehr gespannt darauf
was für ein Gefühl es sein wird und werden versuchen
das ganze bewusst mitzunehmen.
Ihr seid auch nun schon Jahre
aktiv was mit einem hohen Maß an Hingeabe aber auch
Idealismus verbunden ist. Aus eigener Erfahrung weiß
ich, dass es schwierig eine Partnerin zu finden, die diese
intensive Beschäftigung mit Musik toleriert und auch
unterstützt. Welche Erfahrungen habt ihr in dieser
Hinsicht gemacht?
Michael: Da können
wir dir nur zustimmen. Das mit dem Tolerieren ist anfangs
noch ok, entwickelt sich dann aber oft ins Gegenteil.
Das ist sehr schade. Dabei wird ja auch immer unterschätzt
was einem, in dem Fall die Musik bedeutet. Und wird man
daran gehindert sie ausüben zu können, kristallisiert
sich schnell eine gewisse Unzufriedenheit heraus.
Vor wenigen Tagen wurde ein
neuer Papst gewählt. Haben solche Dinge und/oder
das politische Tagesgeschehen überhaupt einen Einfluss
auf In Mitra Medusa Inri oder verweigert ihr euch solchen
Themen ganz bewusst?
Holger: Zur Zeit haben solche
Themen keinen Einfluss auf unsere Musik. Man weiss aber
nie was noch passiert bis zur nächsten CD.
Was sind eure aktuellen Pläne
für die nächsten Wochen und Tage?
Michael: Wir werden an einer
neuen CD arbeiten und hoffen, dass wir live spielen können.
Denn das macht echt einen Höllenspaß.
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