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Klassiche
Wave-Bands, gibt es die überhaupt noch? Man muss schon
lange überlegen und selbst dann kommt einem mit Ausnahme
von Clan of Xymox nur eine Band in den Sinn. In Mitra
Medusa Inri. Die Band von Michael Gronau und Holger Meyer,
beheimatet nahe Mönchengladbach am Niederrhein, trotzt
schon seit Jahren jeden musikalischen Trends und Modeströmungen
und verwaltet das Erbe solcher Bands wie Joy Division
oder New Order. In Mitra Medusa Inri ist, und das wird
bei einem Gespräch mit der Band schnell deutlich, eine
Herzensangelegenheit ohne jedwedes kommerzielles oder
imagemässiges Kalkül. In Mitra Medusa Inri sind sich selbst
über all die Jahre hinweg treu geblieben und auch die
erzwungene Auszeit nach einigen besetzungstechnischen
Querelen wurden gut kompensiert, wie die Veröffentlichung
von „Dreams“ aus dem Jahre 2002 bewies.
Seit einigen Wochen ist nun der
Nachfolger „Darkness Between Us“ erhältlich, wo In Mitra
Medusa Inri sich musikalisch etwas offener geben, nicht
ohne die Melancholie und die den Liedern stets innewohnende
Wehmut zu vernachlässigen. Doch haben sich die Hoffnungen,
die In Mitra selbst in „Dreams“ als eine Art von Reunion-Album
gesetzt haben, erfüllt? Gitarrist Michael Gronau stellt
sich unseren Fragen.
>> Uns war das gar nicht so bewusst,
dass wir ein Reunion Album gemacht hatten, da wir uns
ja in diesem Sinne nie richtig aufgelöst hatten, wie das
bei vielen anderen Bands der Fall war. Die Erwartungen
und Hoffnungen die wir in das Album gesteckt haben sind
in Erfüllung gegangen, wurden sogar noch übertroffen.
<<
Zu einer wirklichen Tournee hat
es ja leider nicht gereicht, dafür aber zu einer Reihe
von Einzelshows, u.a. im Vorprogramm der Crüxshadows in
Krefeld. Gab es keine Tourangebote, die ihr hättet wahrnehmen
können? >> Nein, ein Tourangebot gab es nicht. So haben
wir die Live Gigs wahrgenommen die sich zwischendurch
ergeben hatten. Die auch eher zufällig kamen. Mal sehen
was in Zukunft passieren wird. Drücke uns mal die Daumen!
<<
Wie wichtig ist euch überhaupt
der direkte Kontakt zu den Fans und das Gefühl auf der
Bühne zu stehen? Verfolgt man eure Homepage und die Übersicht
der Anzahl eurer Konzerte, so kann man ja leider nicht
von einer übermässigen Live-Präsenz sprechen. >> Wir würden
gerne öfter live spielen. Das ist immer wieder ein super
Gefühl auf der Bühne zu stehen und den Menschen unsere
Stücke zu präsentieren. Vor allen Dingen das direkte Feedback
der Zuschauer zu erhalten. Dieses Jahr haben wir ca. zehn
Gigs in Planung. Wir werden aber erst darüber reden wenn
die Konzerte hundertprozentig stehen. Über „ungelegte
Eier“ sollten wir hier aber noch nicht sprechen. <<
Ist diese verhältnismässig geringe
Präsenz auch einer der Gründe dafür, dass In Mitra Medua
Inri eigentlich immer noch irgendwie als eine Art Geheimtipp
gelten? >>Gelten wir als Geheimtipp? Wissen wir gar nicht.
Wir mach halt “nur“ unsere Musik. Ob die geringe Livepräsenz
ein Grund dafür ist?? Kann sein....aber das wird sich
ja hoffentlich alles ändern. <<
„Lebe Deinen Traum – Träume nicht
Dein Leben“, so habt Ihr seinerzeit unser vorheriges Interview
beendet. Während „Dreams“ sich demnach auch viel mit Träumen
und beschäftigt hat, scheint sich euer neues Album „Darkness
Between Us“ vielmehr mit zwischenmenschlichen Beziehungen
auseinander zu setzen. Entfremdung, Distanz, Unverständnis
dem Partner gegenüber ... was hat euch dazu inspiriert,
sich mit dem neuen Album diesem Themenkomplex zuzuwenden?
>> Uns lag es sehr am Herzen diese genannten Themen musikalisch,
sowie textlich umzusetzen. In einem anderen Interview
erwähnten wir, das „Darkness Between Us“ unser bisher
persönlichstes Album ist. Die Texte beziehen sich auf
viele private Dinge die sich seit der Veröffentlichung
des letzten Albums zugetragen haben. Dennoch denken wir,
dass sich viele Menschen in den Zeilen wiedererkennen
können. Inspiriert hat uns in erster Linie das private
Umfeld. Jedoch bei einigen Stücken, z.B. „Do You Call
That Human“ waren es die weltweiten Geschehen, die uns
zu diesem Song veranlassten. Ein weiterer Grund war sicherlich
die Vereinsamung und Kommunikationsarmut der Menschen,
hervorgerufen durch die verschiedensten technischen Entwicklungen
etc. Wir möchten aber gar nicht alle Texte hier im einzelnen
erläutern. Jeder sollte sich ein Bild davon machen. <<
Kann man diese Aussage auch auf
die Bandgeschichte In Mitra Medusa Inris übertragen, denn
der ganz grosse kommerzielle Erfolg ist euch bislang ja
leider verwehrt geblieben? >> Meinst du „ Lebe deinen
Traum – Träume nicht dein Leben „.. Es liegt bei jeder
einzelnen Person selbst das umzusetzen und seine Prioritäten
festzulegen. Wir möchten uns nur nicht irgendwann sagen
„ Ach, hätte ich doch damals das und das gemacht „. Also
das machen - was einen Traum zur Realität werden lassen
kann. Das Leben ist viel zu kurz! <<
In wie weit vertreten In Mitra
Medusa Inri durch ihre Musik einen moralischen und humanistischen
Hintergrund, wie er zum Beispiel bei „Do You Call That
Human?“ zum Ausdruck kommt? War diese Fokussierung auf
Themenbereiche wie Träume und Zwischenmenschlichkeit,
die jeder Hörer für sich nachvollziehen kann, die Hauptantriebskraft
für eure künstlerische Arbeit? Fällt es euch leichter
konzeptionell zu arbeiten? >> Wir finden die Herausforderung
ein Gesamtkonzept zu erschaffen sehr gut. Das ist ein
Reiz, der einem keine andere Wahl läßt als sich mit bestimmten
Themenkomplexen auseinanderzusetzen. Wir könnten sicherlich
auch „normal“ an eine CD herangehen. Aber wir stellen
uns immer gerne schwierige Aufgaben. Sonst hätte die CD
„Darkness Between Us“ sicherlich auch anders geklungen.
Vielleicht, wie viele das erwartet hätten, halt wie „Dreams“.
Aber sich wiederholen ist einfach, einen anderen, für
uns neuen Weg, zu beschreiten, dagegen wesentlich schwerer.
Wir möchten das gar nicht so hochtrabend ausdrücken. Wir
denken bzw. hoffen, dass viele Menschen sich mit den genannten
Themen auseinandersetzen. Unsere Musik ist nur ein kleiner
Beitrag von zwei Menschen wie sie die Welt mit ihren Augen
und vor allen Dingen mit ihren Gefühlen wahrnehmen. <<
Ihr habt euch, wie ich finde,
auf „Darkness Between Us“ auch musikalisch sehr verändert.
Früher war der Vergleich zu Joy Divison oder New Order
ja beinahe zwangsläufig, während das neue Album musikalisch
viel offener und vielseitiger klingt. Ist dies nur mein
subjektiver Eindruck oder habt ihr diese Änderungen bewusst
herbeigeführt? >> Im Rahmen des Enstehungspozesses der
CD haben sich die verschiedensten Songs herauskristallisiert.
Ja, wir geben dir hier vollkommen Recht. Die CD ist vielseitiger,
was aber auch zu einigen Problemen geführt hat. Manche
haben tatsächlich ein Problem damit, das zum Beispiel
Songs wie „Sometimes“ oder „Do You Call That Human“ auf
der CD sind. Klar, sie fallen aus dem Rahmen. Als wir
im Studio die Songreihenfolge festlegten hielten uns viele
für verrückt. Das erste Stück ein Acht-Minuten-Song, das
zweite ein leicht technoid angehauchtes Stück und das
dritte, „Stars“, wieder anders. Aber gerade das macht
den Reiz aus. Einen Gegensatz zu erschaffen und nicht
immer das zu machen, was man von einem erwartet. So hatten
wir auch gar keine Bedenken Sometimes mit auf die CD zu
„packen“. Sogar auf unserer ersten CD gibt es ein reines
Elektrostück. Wir machen die Songs so wie sie uns gefallen.
Dabei kommen halt die unterschiedlichsten Varianten heraus.
Wir wissen auch, dass dadurch der Zugang zu den einzelnen
Stücken schwerer ist. Wir glauben, dass man die CD erst
durch mehrmaliges Hören begreifen und verstehen kann,
was wir damit meinen. <<
War Eure Live-Keyboarderin mit
am Songwriting beteiligt? Ist sie überhaupt noch Mitglied
bei In Mitra Medusa Inri, denn in den Albumcredits konnte
ich sie nirgendwo entdecken? >> Nein. Denise ist unsere
Live-Keyboarderin und sie wird auch bei den zukünftigen
Livegigs dabei sein. Als Band stehen Holger und ich. Wir
werden auch hundertprozentig kein drittes oder viertes
Bandmitglied mit aufnehmen. Sie steht aber übrigens bei
den Credits. Sie hat den Background Gesang zu „Do You
Call That Human“ eingesungen. <<
„Darknes Between Us“ wurde von
O. Müller produziert. War diese Zusammenarbeit vielleicht
auch einer der Gründe, die zu diesem musikalischen Wandel
beigetragen haben? >> Wir haben während der Produktion
viel diskutiert um für uns ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Für beide Seiten war die Zusammenarbeit sehr spannend.
Olli war bisher vorwiegend im Elektronikbereich tätig.
Und jetzt kommt da so eine Wave Band, die auch noch Gitarren
spielt (lacht). Das war eine Herausforderung. Auf jeden
Fall hat auch im Studio noch einmal ein kreatives arbeiten
an den Songs stattgefunden. Es kamen Tipps vom Olli die
wir teilweise angenommen haben, manchmal auch nicht. Es
hat auf jeden Fall Spass gemacht. <<
„Darknes Between Us“ beinhaltet
zwei Videotracks die, auch wenn sie natürlich Low Budget
sind, einen schönen Einblick hinter die Kulissen eurer
Konzerte erlauben? Wie seid ihr mit diesen beiden Videotracks
zufrieden? Plant ihr diesbezüglich weitere Aktivitäten?
>> Auf jeden Fall sind wir damit zufrieden. Mal sehen,
vielleicht bei der nächsten CD wieder ein Video oder auch
zwei. Immer überraschen lassen! <<
Du, Michael, bist viel in der
Szene unterwegs und immer wieder auf Konzerten anzutreffen.
Wie siehst Du die Szene und ihre Entwicklung im Laufe
der Jahre? Mittlerweile ist die Szene von Electro dominiert
und Gitarrenbands treten daher zwangsläufig leider immer
mehr in den Hintergrund. Zeichen der Zeit oder eher Diktat
der Plattenfirmen, die kaum mehr auf Gitarrenbands setzen?
>> Ich finde es schon manchmal schade das sich das so
entwickelt hat. Oft kannst du gar nicht mehr sagen welche
Band da gerade aus den Boxen „knallt“, da sich wirklich
vieles gleich anhört. Ich finde es gut wie div Bands live
versuchen auch den menschlichen Faktor wieder mit ins
Spiel zu bringen. Diary of Dreams, Crüxshadows etc., die
ja live mit Gitarre spielen. Ich brauche, wenn ich eine
Band live sehe, Aktivität auf der Bühne. Zumindest das
Gefühl, dass ein oder zwei Personen noch wirklich Live
spielen. Ich war z.B. enttäuscht von Covenant. Zwei Keyboarder,
die teilweise gar nicht gespielt haben. So habe ich es
empfunden. Klar, die haben coole Stücke, aber das war
mir zu wenig. Wir würden zum Beispiel super gerne mit
Drummer, einem zweiten Gitarristen, Bassisten etc. spielen
wollen, aber das lässt sich zur Zeit leider nicht umsetzen.
Um noch mal auf die Elektro- bzw. Gitarrenbands sprechen
zu kommen: Ich denke, dass Qualität sich durchsetzt. Vor
allen sollte man sich treu bleiben und seinen eigenen
Style machen und nicht kopieren, um nur schnellstmöglich
bekannt zu werden. Schau die Lacrimosa an oder Sopor Aeternus
an. Die ziehen ihr Ding durch. Und ich hoffe, irgendwann
wird auch wieder Zeit für Nicht- Elektro Musik kommen.
<<
Wie nimmst Du die Szene und die
Szenegänger an sich wahr? Hat sich die Szene auch hier
verändert? Ist die Szene gewachsen und mit ihr auch das
Akzeptanz- und Toleranzverhalten der Fans? >> Ja, würde
ich auf jeden Fall sagen, dass sich die Szene verändert
hat. Ich denke zum einen das sie gewachsen ist. Andererseits
hat sie sich meiner Meinung nach ein Stück von den Wurzeln
entfernt. In meisten Clubs beherrscht der Elektrosound
die Tanzflächen. Teilweise geht das ja schon Richtung
Techno. Da stellt sich einem die Frage wo das noch hingehen
soll. Wir hielten uns früher oft in einem kleinen Club
in der Nähe von Moers auf (EXX / Aratta). Irgendwie war
das ein ganz anderes Gefühl das wir hatten, wenn wir dort
waren, entweder zu Konzerten oder ganz normal am Wochenende.
Das war halt noch richtig Club-Feeling. Also keine Massenveranstaltung.
Aber es ist so, die Zeiten ändern sich und was soll man
alten Zeiten nachtrauern. Es liegt ja an einem selbst
was er daraus macht. <<
Ihr habt im letzten Jahr auch
in England gespielt. Wie waren die Reaktionen und die
Akzeptanz des Publikums auf In Mitra Medusa Inri? Wenn
man sich mit englischen Bands über die britische Szene
unterhält, dann scheint diese im Niedergang begriffen,
sowohl was das Potential an Bands wie auch die Szene an
sich angeht. Könnt ihr diesen Eindruck teilen? >> Wir
sind super angekommen in UK. Das war klasse. Das Publikum
ist super. Sehr offen und freundlich. Nach den Gigs haben
wir uns viel unterhalten mit Leuten aus dem Publikum.
Das war absolut angenehm. Wir spielten ja unter anderem
auf einem Festival, und am zweiten Tag hatten wir einen
Einzelgig in Birmingham. Bei unserem Auftritt dort wollten
die uns nachher gar nicht mehr von der Bühne lassen. Fast
das gesamte Publikum tanzte. Wir waren total überrascht.
Wir hatten auf jeden Fall nicht das Gefühl, dass die Szene
im Niedergang begriffen sei. Ganz im Gegenteil. Aber wir
haben ja auch nicht viele Vergleichsmöglichkeiten. <<
Gibt es bereits Pläne für Live-Auftritte,
eine Tournee oder Auftritte auf den Sommerfestivals? >>
Wie bereits erwähnt. Pläne gibt es. Wir hoffen das diese
alles umzusetzen sind. Wenn wir Bestätigungen erhalten
haben, werden wir uns melden. Aber wie gesagt, wir warten
erst, bis alles in trockenen Tüchern ist. <<
http://www.obliveon.de
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