Zillo, Bericht 12/03 - 01/04

Mit ihrem neuen Album "Darkness Between Us" haben In Mitra Medusa Inri alias Holger Meyer und Michael Gronau ihr bisheriges Meisterwerk geschaffen. Der Albumtitel bezieht sich zum Glück nicht auf die beiden Musiker, sondern ist sozialkritisch gemeint.

Und das scheint dann auch der Motor für Verzweiflung, Wut, Sehnsucht und Trauer zu sein. Emotionen, denen die beiden auf ihrer neuen Scheibe mehr als bisher Ausdruck verleihen und sie damit zu einem ganz besonderen Gesamtkunstwerk machen. Passend dazu dann auch die düsteren Einleitungsklänge mit Samples aus dem Film "Planet der Affen".

"Eigentlich wasres uns immer ein Gräuel, ein Sample am Anfang eines Liedes einzusetzen", sagt Michael. " Doch in diesem Fall paßt das so gut und bringt die Stimmung, die wir erzeugen möchten, rüber, das wir hier gar nicht anders konnten, als uns dafür zu entscheiden."

Wo kommt der vermehrt sozialkritische Touch her? Gibt es dafür so etwas wie eine "Initialzündung", möchte ich von den beiden wissen. "Eine Initialzündung gibt es nicht!", sagt Michael. "Es gibt einfach so viel Schlechtes, was um uns herum geschieht, dass die Einflußnahme sich extrem in unseren Lyrics widerspiegelt. Die Gedanken, die in unseren Köpfen sind, befassen sich nicht nur mit unserem eigenen Erlebten - Verlust, Tod, Trauer-, sondern auch verstärkt mit dem Erleben anderer Menschen auf dieser Welt. Der Gedanke, dass die Menschheit dabei ist, sich ihre Existenz zu nehmen, macht nachdenklich. Wir stellen seit Erscheinen des letzten Albums fest, dass uns das nicht kalt lässt und wir uns glücklich schätzen, die Musik als unser Ventil benutzen zu können.

"Schau dir die Nachrichten an", ergänzt Holger. " Es gibt so viele negative Dinge, die unser Leben zwangsläufig bestimmen. Das beeinflußt eine Menschen. Es ist aber nicht so, das wir generell alles nur negativ sehen, doch die realistische Auseinandersetzung mit dem Krieg usw. lässt uns nicht kalt. So reifte immer mehr die Idee, ein Konzeptalbum zu erschaffen, das die "Darkness Between Us", die Dunkelheit zwischen uns Menschen thematisiert. Diese Dunkelheit scheint getragen von einer immer größer werdenden Welle."

Dies zu thematisieren und in allen Facetten anschaulich und begreiflich zu machen, haben die beiden sich viele Gedanken gemacht, aber auch zahlreiche Detailarbeiten an ihren Songs vorgenommen. Der Albumopener und Titelsong endet zum Beispiel mit dem Satz "There is darkness between us". Der letzte Song "If I could loose myself in the color" hat dann als letzten Satz " The deepness says nothing"!

In Mitra Medusa Inri entlassen den Hörer in der Hoffnung, ihn innerlich berührt zu haben. "Wichtig ist uns, so Holger, " dass der Hörer sich in unseren Texten und der Musik wiederfindet. Wir hoffen, jedem einzelnen einen kleinen Anstoß zum Nachdenken zu geben.

Bei aller Homogenität, was das Thema des Albums angeht, gibt es doch einige Abweichungen vom " Joy Division meets New Order meets The Cure", wie die Band sich selber ausdrückt,was zu Gegensätzen zwischen synthpop-lastigen Songs wie "Sometimes" und purem, schönen Darkwave wie etwa im Titelsong führt, die mir nicht einleuchten wollen. Sehen In Mitra Medusa Inri das als ihr Markenzeichen? Oder wissen die beiden noch nicht so recht wo sie eigentlich hin wollen? Was sagt ihr Label dazu, was ihre Fans?

"Warum muss man sich einschränken?" schießt Michael zurück. "Gegensätze ziehen sich an. Für uns vereinen sie sich auf dem Album zu einen einheitlichen Ganzen. Die Musik transportiert den Text, und zu manchen Songs passen halt andere musikalische Elemente besser. Wir würden das inzwischen schon als eine Art Stilmittel bezeichnen. Auf dem letzen Album waren die Songs ebenfalls sehr gemischt. Schon auf unserem ersten Album ("Long Forgotten World") gab es einen Song der rein elektronisch war. Unser Label ist teilweise überrascht von dem, was wir so treiben. Von unseren Fans haben wir bisher nur Positives gehört".

Über mangelnde Vielfalt kann man sich bei In Mitra Medusa Inri jedenfalls nicht beklagen. Das ist allemal besser als Einfalt und erlaubt auch mal eine Song, der aus dem Rahmen fällt. Mit "Darkness Between Us" werdet ihr jedenfalls lange Zeit viel Freude haben.

Joe Asmodo