Shadowshire, Rezi 12/2003

Manchmal bedarf es nicht vieler Worte, um eine Band und deren Werk(e) zu beschreiben, in diesem Fall bedarf es nur weniger und leichter Worte, deren Schwingen den Hörer auf eine leichtbeflügelte Reise ins dunkle Ich nehmen, und die gleichzeitig auch eine beklemmende Umarmung bieten. Die Rede ist von der deutschen Formation in mitra medusa inri, die für viele als Synonym für vertonte Sehnsucht und Traurigkeit und Stern am wolkenverhangenen Gothichimmel stehen.

Der aktuelle Silberling darkness between us liegt nun vor und umgarnt das Ohr mit traurigen Klängen voller Wut und Melancholie. Die ersten Takte des gleichnamigen Openers zaubern eine Gänsehaut, die nun wie eine zweite Hülle am Hörer sitzt und selbigen nicht wieder loslässt. Das ist mal was Feines in der Jahreszeit, in der der Himmel grau ist und voller tränenreicher Geigen hängt, unterstrichen vom immer wieder eingespielten „...ich fürchte die Einsamkeit...“ Perfekt! Schon im ersten Song bauen in mitra medusa inri klare, fragile Klangbögen auf, die sich mit Gitarren und Synthies abwechseln, und die eine Stimmung schaffen, als stünde man allein im morschen knackenden Herbstwald und atmete seine letzten Züge. Doch nicht nur klanglich wird hier das schwere Herz gut umhüllt, auch textlich zeigen sich immi so tiefgründig und schwermütig, dass man manchmal einen schweren Koloss in der Brust zu tragen glaubt.

Stars wartet mit fein und klar arrangierten Melodien auf, wohingegen der Refrain sich tief bis in die letzte Blutbahn festsetzt und dort voller Passion pulsiert, dass es wahrlich ein Vergnügen ist – nicht zuletzt schuld an dieser aufkommenden Sucht ist die Stimme des Sängers. Sehr tanzbar, und mit der unverwechselbaren Kombination aus schnellen Gitarren- & Synthieklängen eine Art Drang und unsichtbare Macht, die meines Erachtens nach noch viele Menschenkinder auf Tanzflächen zerren wird, ist "You came from the sun"ebenso wie "Traces of the night" und "Do you call that human", wobei letzteres stärker von Elektroklängen durchzogen wird.

Wer hingegen die ruhigeren, ganz tieftraurigen Klänge mag, bei denen die Tränenflüssigkeit das Auge fast schon unter Wasser zu setzen droht, der möge sich "Swimming Overseas" zu Gemüte führen und gleich danach "If I could loose myself in the color" – es ist so schrecklich schön! Passt aber beides auch sehr gut, um an dunklen Abenden mal über Dinge zu sinnieren, denen man sonst keinen Gedanken schenkt. Vom Glücke beseelt sind die, die im Besitz der Erstauflage des Albums sind, dieses enthält nämlich zusätzlich Bonusmaterial, jawohl! "Darkness between us" darf noch mal als Bonusversion "deep_frozen mix" seinen Weg in die Gehörgänge finden; "Do you call that human" und "driving, sleeping, waiting, playing" verstärken das eh schon vorhandene Suchtpotential auf visuelle Art – was will man da eigentlich mehr?