Orkus, Interview 11/2003

IN MITRA MEDUSA INRI
Dunkelheit aus Herz und Bauch

Wave-Musik hat sich in ihrer jahrelangen Entwicklung selbst zahlreiche Grenzen gesetzt. Dass diese durchaus auch durchbrochen werden können, beweist die deutsche Formation In Mitra Medusa Inri. Seit elf Jahren schaffen Michael Gronau und Holger Meyer dunkle Klängzaubereien und lassen dabei ihrer Experimentierfreude freien Lauf. Ihr viertes Album Darkness between us zeigt erneut, auf welche Weise Gitarren mit Synthie-Sounds harmonieren können. Dabei beweisen die beiden sympathischen Künstler auch deutlich, welche Entwicklung sie seit dem Vorgänger Dreams durchlaufen haben.

"Die Musik ist wesentlich gereifter", erklärt Michael. "Die ganze Produktion ist professioneller und beinhaltet ausgefeiltere Arrangements. Wir wollten uns von den sehr 80er-mäßigen Klängen auf Dreams entfernen und eine konzeptionell durchdachte Platte präsentieren." Während andere Künstler oft die Bezeichnung Konzeptalbum ablehnen, konzentrierten sich IMMI bei den zehn Stücken ganz bewusst auf textliche Zusammenhänge. "Wir haben uns viele Gedanken über die Lyrics gemacht. Sie erschließen sich vom ersten bis zum letzten Track zu einem Gesamtwerk. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, Liebe, aber auch um Krieg und Angst. Dunkelheit spielt dabei stets eine Rolle. Man muss einige Titel bestimmt mehrere Male hören, bevor sie sich einem erschließen."

Nachdem die beiden Musiker beinahe ein dreiviertel Jahr in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit für das Songwriting aufgewendet haben, begaben sie sich im Juni in das Megaline-Studio in Bochum. Als Produzent fungierte Oliver Müller, der selbst an Electro-Projekten wie Megadump oder Cyber Axis arbeitet. "Er hatte vorher noch nie mit Musik wie unserer zu tun gehabt und wir waren auf das Ergebnis sehr gespannt. Oli hat intensiv mit uns gearbeitet und wichtige Impulse gegeben. So hat sich zum Beispiel Swimming overseas durch sein Zutun stark verändert. Es hatte ursprünglich harte Drums, die den Gesang und die Melodie viel zu sehr verdeckten."

Allgemein lautete bei Darkness between us das Motto: Weniger ist mehr. Zeigte sich Dreams noch recht opulent mit aufwendiger Instrumentierung, sollte den neuen Kompositionen mehr Raum zur Entfaltung gegeben werden. "Die alten Titel waren oft zu überladen. Einige schöne Melodien wurden einfach von anderen Klängen verdeckt. Wir wollen jetzt alles auf einen Punkt bringen, minimalistischer gestalten. Beispielsweise haben wir selten zuvor so wenig Spuren wie bei Never Sharing benutzt." Diese Begrenzung der Elemente hat zur Folge, dass die Musik dem Hörer greifbar und real erscheint. Ohne ihre Wurzeln zu verleugnen, wollen IMMI beweisen, dass sie für Neuerungen in ihrem Sound stets offen sind.

Ein weiteres Zeugnis ständiger Weiterentwicklung ist auch Holgers Stimme. Aufgepeppt durch Doppellungen, elektronische Bearbeitung oder einfach Stimmungsunterschiede präsentiert sich sein Gesang bei jedem der Titel in anderem Licht. "Holger hat sich sehr weiter entwickelt. Er will unbedingt abwechslungsreich und variabel rüber kommen. Dafür hat er auch extra Gesangsunterricht genommen." Der Gefahr der Eintönigkeit wurde somit gleich im Laufe des Schaffensprozesses entgegengewirkt. So stechen mit Sometimes und Disappointment Remains auch zwei absolut tanzbare und fröhliche Titel aus der Sammlung von Traurigkeit hervor. "Unsere Musik ist immer von unserer persönlichen Stimmung abhängig. Sie kommt direkt aus Herz und Bauch. Sometimes zeigt dies sehr deutlich. Das Stück ist schon fast Synthie-Pop, aber es hat uns einfach gefallen. Wir haben es auch bewusst nach den sehr traurigen und dunklen Titeltrack gesetzt um einen starken Kontrast zu erzielen. Es dürfte den Hörer stark verblüffen, da dieser Stimmungsumbruch doch recht plötzlich geschieht."

Für Verblüffung könnte das Album auch im Hause Apollyon sorgen. Hat Darkness between us durchaus Hit-Potential und dürfte dem Wave-Duo einige neue Fans bescheren. Obwohl IMMI sich mit dem Kasseler Label einen eher kleinen Partner gesucht haben, sind sie von deren Arbeit überzeugt. "Es hat viele Vorteile bei einer kleinen Firma unter Vertrag zu stehen. Sie haben nicht diese große Anzahl von Veröffentlichungen wie manche Majors und können sich so auf einzelne Acts besser konzentrieren. Wir sind absolut zufrieden. Sie gehen auf Wünsche ein und wir als Künstler können unsere Vorstellungen von Strategien und Vermarktungen stets einbringen und verwirklichen."

So dürfte der erfolgreichen Weiterführung von In Mitra Medusa Inri nichts im Wege stehen. Vor neuen Veröffentlichungen werden natürlich erst einmal diverse Live-Auftritte stattfinden. "Eine konkrete Tourplanung ist zwar noch nicht geschehen, wir hoffen aber, ab Januar auf einigen Bühnen unsere neuen Titel präsentieren zu können." Im Anschluss daran wollen sich Michael und Holger wieder ganz dem Komponieren widmen, um Darkness between us einen würdigen Nachfolger zu bescheren.

Robert Suß

www.inmitramedusainri.com