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IN MITRA
MEDUSA INRI
Dunkelheit
aus Herz und Bauch
Wave-Musik hat sich in ihrer jahrelangen
Entwicklung selbst zahlreiche Grenzen gesetzt. Dass diese
durchaus auch durchbrochen werden können, beweist die
deutsche Formation In Mitra Medusa Inri. Seit elf
Jahren schaffen Michael Gronau und Holger Meyer dunkle
Klängzaubereien und lassen dabei ihrer Experimentierfreude
freien Lauf. Ihr viertes Album Darkness between us zeigt
erneut, auf welche Weise Gitarren mit Synthie-Sounds harmonieren
können. Dabei beweisen die beiden sympathischen Künstler
auch deutlich, welche Entwicklung sie seit dem Vorgänger
Dreams durchlaufen haben.
"Die Musik ist wesentlich gereifter",
erklärt Michael. "Die ganze Produktion ist professioneller
und beinhaltet ausgefeiltere Arrangements. Wir wollten
uns von den sehr 80er-mäßigen Klängen auf Dreams entfernen
und eine konzeptionell durchdachte Platte präsentieren."
Während andere Künstler oft die Bezeichnung Konzeptalbum
ablehnen, konzentrierten sich IMMI bei den zehn
Stücken ganz bewusst auf textliche Zusammenhänge. "Wir
haben uns viele Gedanken über die Lyrics gemacht. Sie
erschließen sich vom ersten bis zum letzten Track zu einem
Gesamtwerk. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen,
Liebe, aber auch um Krieg und Angst. Dunkelheit spielt
dabei stets eine Rolle. Man muss einige Titel bestimmt
mehrere Male hören, bevor sie sich einem erschließen."
Nachdem die beiden Musiker beinahe
ein dreiviertel Jahr in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit
für das Songwriting aufgewendet haben, begaben sie sich
im Juni in das Megaline-Studio in Bochum. Als Produzent
fungierte Oliver Müller, der selbst an Electro-Projekten
wie Megadump oder Cyber Axis arbeitet. "Er hatte vorher
noch nie mit Musik wie unserer zu tun gehabt und wir waren
auf das Ergebnis sehr gespannt. Oli hat intensiv mit uns
gearbeitet und wichtige Impulse gegeben. So hat sich zum
Beispiel Swimming overseas durch sein Zutun stark verändert.
Es hatte ursprünglich harte Drums, die den Gesang und
die Melodie viel zu sehr verdeckten."
Allgemein lautete bei Darkness
between us das Motto: Weniger ist mehr. Zeigte sich Dreams
noch recht opulent mit aufwendiger Instrumentierung, sollte
den neuen Kompositionen mehr Raum zur Entfaltung gegeben
werden. "Die alten Titel waren oft zu überladen. Einige
schöne Melodien wurden einfach von anderen Klängen verdeckt.
Wir wollen jetzt alles auf einen Punkt bringen, minimalistischer
gestalten. Beispielsweise haben wir selten zuvor so wenig
Spuren wie bei Never Sharing benutzt." Diese Begrenzung
der Elemente hat zur Folge, dass die Musik dem Hörer greifbar
und real erscheint. Ohne ihre Wurzeln zu verleugnen, wollen
IMMI beweisen, dass sie für Neuerungen in ihrem
Sound stets offen sind.
Ein weiteres Zeugnis ständiger
Weiterentwicklung ist auch Holgers Stimme. Aufgepeppt
durch Doppellungen, elektronische Bearbeitung oder einfach
Stimmungsunterschiede präsentiert sich sein Gesang bei
jedem der Titel in anderem Licht. "Holger hat sich sehr
weiter entwickelt. Er will unbedingt abwechslungsreich
und variabel rüber kommen. Dafür hat er auch extra Gesangsunterricht
genommen." Der Gefahr der Eintönigkeit wurde somit gleich
im Laufe des Schaffensprozesses entgegengewirkt. So stechen
mit Sometimes und Disappointment Remains auch zwei absolut
tanzbare und fröhliche Titel aus der Sammlung von Traurigkeit
hervor. "Unsere Musik ist immer von unserer persönlichen
Stimmung abhängig. Sie kommt direkt aus Herz und Bauch.
Sometimes zeigt dies sehr deutlich. Das Stück ist schon
fast Synthie-Pop, aber es hat uns einfach gefallen. Wir
haben es auch bewusst nach den sehr traurigen und dunklen
Titeltrack gesetzt um einen starken Kontrast zu erzielen.
Es dürfte den Hörer stark verblüffen, da dieser Stimmungsumbruch
doch recht plötzlich geschieht."
Für Verblüffung könnte das Album
auch im Hause Apollyon sorgen. Hat Darkness between us
durchaus Hit-Potential und dürfte dem Wave-Duo einige
neue Fans bescheren. Obwohl IMMI sich mit dem Kasseler
Label einen eher kleinen Partner gesucht haben, sind sie
von deren Arbeit überzeugt. "Es hat viele Vorteile bei
einer kleinen Firma unter Vertrag zu stehen. Sie haben
nicht diese große Anzahl von Veröffentlichungen wie manche
Majors und können sich so auf einzelne Acts besser konzentrieren.
Wir sind absolut zufrieden. Sie gehen auf Wünsche ein
und wir als Künstler können unsere Vorstellungen von Strategien
und Vermarktungen stets einbringen und verwirklichen."
So dürfte der erfolgreichen Weiterführung
von In Mitra Medusa Inri nichts im Wege stehen.
Vor neuen Veröffentlichungen werden natürlich erst einmal
diverse Live-Auftritte stattfinden. "Eine konkrete Tourplanung
ist zwar noch nicht geschehen, wir hoffen aber, ab Januar
auf einigen Bühnen unsere neuen Titel präsentieren zu
können." Im Anschluss daran wollen sich Michael und Holger
wieder ganz dem Komponieren widmen, um Darkness between
us einen würdigen Nachfolger zu bescheren.
Robert Suß
www.inmitramedusainri.com
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