|
Interview
mit In Mitra Medusa Inri!
Mit ihrem
neuen Album "Darkness Between Us" melden sich das Mönchengladbacher
Duo IMMI zurück!
Im letzten Jahr erschien das
dritte Album (*"Dreams"*) von *In Mitra Medusa Inri*!
Das Duo meldet sich nun mit *"Darkness Between Us"* zurück
und Holger und Michael haben uns ein paar Fragen beantwortet.
*a.jo:* Was ist seit dem letzten
Album *"Dreams"* (2002) bei euch passiert?
*Michael:* Seit der letzten Veröffentlichung
konnten wir zahlreiche Gigs spielen. Wir hatten die Möglichkeit
als Supportband mit *Crüxshadows* und *Escape With
Romeo* einige Gigs zu spielen. Außerdem waren wir
für einige Konzerte in England. Das war unsere erste
UK Tour. Es war echt klasse. Die Menschen dort waren super
freundlich und fanden unsere Musik gut. Das war für
uns verwunderlich, da wir bisher wenig Feedback aus England
bekommen hatten. Aber das hat sich nach diesen Gigs geändert.
Außerdem begannen wir kurz nach dem Abschluss der
Produktion von "Dreams" mit dem komponieren und schreiben
neuer Songs. Wir müssen unsere Energie in Kreativität
umsetzen und nutzen. Die Vorbereitung für die Live
Gigs hat ebenfalls einen Großteil der Zeit in Anspruch
genommen. Und nun ist ein Jahr vorüber und der neue
Longplayer " Darkness Between Us" wird veröffentlicht.
*a.jo:* Gab es einen Auslöser,
dass ihr mit der Arbeit "Darkness Between Us" begonnen
habt?
*Holger:* Wir wollten ein Gesamtwerk
schaffen. Klang "Dreams" für uns noch etwas verspielt,
können wir mit "Darkness Between Us" sagen, einen
großen Schritt nach vorne getan zu haben. Während
wir die ersten Songs schrieben, wurde uns klar, das wir
ein Konzeptalbum erschaffen werden. Der Auslöser
war, wie bei "Dreams" auch, unserer Kreativität ein
Ventil zu geben. Ebenfalls ist es uns ein Anliegen unsere
Empfindungen und Ansichten über die aktuellen Geschehnisse
in Wort und Musik darzustellen. Einerseits unsere Wut
auszudrücken, wie in *"Do You Call That Human"*,
als auch unsere Verzweiflung in Stücken, wie *"You
Came From The Sun"*, herüberzubringen.
*a.jo:* Vor rund elf Jahren wurde
euer Bandprojekt ins Leben gerufen, hättet ihr damals
gedacht, dass ihr so lange Musik miteinander machen würdet?
*Michael:* Nein, davon sind wir
nicht ausgegangen. Und zwischen diesen elf Jahren lagen
mindestens drei Jahre Pause. Die Bandgeschichte ist sehr
'un-straight' verlaufen und gar nicht nach unserem Sinn.
Es war aber immer so, auch während der langen Pause,
das Holger und ich immer in Kontakt miteinander standen.
Den Kontakt zum damaligen Sänger hatten wir abgebrochen.
Doch bei Holger und mir ist es so, dass wir eine Art Seelenverwandtschaft
haben. Wir kennen uns so gut, das wir wissen wie es dem
anderen geht ohne das man miteinander spricht, ein Blick
genügt. Die Lebenswege sind einfach so ähnlich
verlaufen. Das verbindet uns miteinander.
*a.jo:* Inwieweit beeinflussen
euch reale Themen wie politische Veränderungen (Krieg)
oder Katastrophen in der Welt eure Lyrics?
*Michael:* Das hat bei dieser CD
zum ersten mal Einfluss genommen. Gute Songbeispiele sind
Stücke wie "Do You Call That Human" oder auch der
CD Opener *"Darkness between us"*. Standen beim letzten
Longplayer "Dreams" eher Themen, wie Liebe, Sehnsucht,
Trauer im Mittelpunkt, sind jetzt noch weitere Veränderungen
eingetreten: Wut, Krieg (die Wut über die Situation
zwischen den Völkern) und die darunter in Mitleidenschaft
gezogen werden. Man merkt immer wieder, wie machtlos man
ist. So geben wir uns die Möglichkeit mit den beschriebenen
Emotionen umzugehen. Kennst du das Gefühl, wenn du
richtig Wut über verschiedene Dinge in dir spürst,
die aber gar nicht richtig "loswerden" kannst? So haben
wir uns eine Möglichkeit geschaffen. Und man darf
gespannt sein, was in Zukunft bei uns passieren wird.
Die textliche Weiterentwicklung, als auch die Musikalische
wird hoffentlich weiter anhalten.
*a.jo:* In welcher Verbindung steht
euer neues Album ("Darkness Between Us") zu seinen drei
Vorgängern (*"Long Forgotten World"*, "In Mitra Medusa
Inri" MCD, "Dreams")?
*Holger:* "Darkness Between Us"
sehen wir ganz klar als eine Weiterentwicklung der ersten
Alben. Viele Freunde die unsere neue Scheibe bereits gehört
haben, sind der Ansicht, dass sich die Musik 'Erwachsen'
anhört. Und vielleicht haben wir die Zeit benötigt.
Elf Jahre sind eine lange Zeit. Doch erst jetzt haben
wir das Gefühl "richtig" Musik zu machen. Wir können
das schwer beschreiben. Das ist eher ein Gefühl.
Und Gefühle sind immer schwer in Worte zu fassen.
Musikalisch versuchten wir die Songs ausgefeilter und
vom Arrangement her durchdachter zu arrangieren. Die positiven
Elemente die In Mitra Medusa Inri ausmachen, weiter auszubauen.
Die Elemente sind der Gesang und die Gitarren. Zentralthemen
dieser Alben sind nach wie vor die Auseinandersetzung
mit Verlust, Trauer, Einsamkeit. Das ist ein wichtiger
Punkt für die Verbindung zwischen den Alben.
*a.jo:* Ihr habt bei "Dreams"
mit *Thomas Elbern* (*Pink Turns Blue*, *Escape With Romeo*)
zusammengearbeitet. Habt ihr eure gute Zusammenarbeit
wiederholen können?
*Holger:* Wir haben uns bei "Darkness
Between Us" für Olli Müller entschieden. HR.
Müller produzierte bereits *SITD*, *Cyber Axis*.
Es war eine Herausforderung für ihn, unsere Musik
zu produzieren. Das war das Interessante an der Variante.
In unseren Augen hat sich diese Zusammenarbeit ebenfalls,
genauso wie die Arbeit mit T. Elbern, als eine gute Wahl
herausgestellt.
*a.jo:* Warum habt ihr auf "Darkness
Between Us" keine deutschen Songtexte? Ich erinnere mich
an einen Beitrag von euch auf dem zweiten Nachtschwärmer
Sampler "Lachen, Weinen, Einsamsein" ? Ist die Zeit vorbei
für euch deutsch zu singen oder warum habt ihr euch
für die kommerziellere Variante entschieden?
*Michael:* Englisch singen, ist
kommerziell? Wir haben aber tatsächlich schon einmal
überlegt einen deutschen Text einzusetzen. Bisher
haben wir keinen Text geschrieben, der unseren Ansprüchen
genügen konnte. Die Bild-Sprache im Englischen ist
einfach besser. "Lachen, Weinen, Einsamsein" hatte unser
damaliger Sänger geschrieben und veröffentlicht
als wir uns schon längst von ihm getrennt hatten.
Wir hätten den Song so nie veröffentlicht. Dennoch
denken wir, dass die englische Sprache nicht kommerzieller,
als die deutsche Sprache ist. Es gibt so viele Bands die
deutsch singen. Ein gutes Beispiel ist hier H. Grönemeyer;
der schreibt wirklich gute deutsche Texte. Vielleicht
werden wir eines Tages mal ein Stück in deutsch bringen.
Wir sind immer für Überraschungen zu haben.
*a.jo:* Ist es nicht schwierig
in einer fremden Sprache Gefühle auszudrücken?
*Holger:* Es ist sogar noch einfacher
in der englischen Sprache Gefühle auszudrücken.
Nur als Beispiel, der Satz ‚mir geht es schlecht' lautet
im Englischen zum Beispiel ‚I feel so bad', das hört
sich doch direkt anders an. Die Bildsprache und Ausdrucksweise
sind im Englischen vorteilhafter.
*a.jo:* Glaubt Ihr wirklich an
die geflügelten Worte, dass die Zeit Wunden heilen
kann? (z.B. *"Sometimes"*)
*Holger:* Das kommt auf die Situation
an. Inwieweit eine Person, z. B. verletzt wurde. Das ist
interessant! Du deutest den Text für dich, wie oben
in der Frage beschrieben. Gemeint ist hier ein anderer
Zustand. Aber jede/r HörerIn soll seine eigene Interpretationsweise
entwickeln und die Dinge aus eigenen Gesichtspunkten sehen.
Doch wieder zu deiner Frage zurück: Es kommt auf
den Grad der Verletzung an. Wir haben letztens einen Zustand
erlebt, den wir nicht mehr vergessen können und auch
nicht wollen. Und die Person, die uns das angetan hat,
werden wir nicht mehr in unser Leben treten lassen. Wenn
Vertrauen missbraucht wird, sind die Verletzungen nicht
immer zu heilen.
*a.jo:* Es gibt Verfechter, dass
es auf der Welt zu allem einen Gegenspieler (Schmerz /
Liebe, Gut / Böse) gibt? Glaubt ihr an diesen Dualismus?
*Michael:* Da gibt es einen Zwiespalt.
Beziehst du es auf Menschen, so denke ich manchmal, dass
es welche gibt, die "nur" Böse sind. Ich kann mir
bei vielen Menschen nicht vorstellen, das sie auch Gutes
in sich haben (Bush, Hussein). Ich kann mir nicht vorstellen,
dass diese Menschen auch normal "Mensch" sein können.
Oder kannst du dir das vorstellen? Haben diese Leute ein
Gewissen? Ich mache mir Gedanken über 'kleine' Dinge,
die ich mal gesagt habe, war es richtig oder war es falsch?
Dennoch glaube ich, dass es einen Grossteil der Menschen
einen sogenannten Gegenspieler in sich haben. Es wäre
auch eine Schande, wenn nicht. 'Hass setzt Liebe voraus!'
Doch die Vorstellung, dass ein Mensch, der hasserfüllt
jemanden tötet auch lieben kann, ist schwer.
*a.jo:* "I Have Reached My Destination"
- Könnt ihr euch vorstellen irgendwann ruhig in den
Sessel fallen zulassen und zufrieden zusein? Für
mich ist das irgendwie eine Art von Stillstand und Ende.
*Holger:* Nein, zum aktuellen Zeitpunkt
können wir uns das nicht vorstellen. Wir sehen das
genauso wie du. Stillstand ist der Anfang vom Ende. Michael
und ich sind getrieben von einer gewissen Art der Unzufriedenheit.
Diese Unzufriedenheit treibt uns immer wieder dazu neue
Songs zu schreiben und für uns persönlich voranzukommen.
Vielleicht erreichen wir irgendwann einmal den Punkt (evtl.
mit 70 Jahren). Aber momentan ist das nicht der Fall.
Wahrscheinlich sind wir ewig auf der Suche nach der Zufriedenheit,
nach dem Glück oder wie man das auch immer bezeichnen
mag.
*a.jo:* Glaubt ihr an die Theorie,
dass jeder auf der Welt eine Art zweite Hälfte (á
la Seelenpartner) hat und auf der Suche nach ihr ist?
Könnte, dass der Sinn des Lebens sein, dass man den
Seelenpartner findet um ihn und dadurch sich selber glücklich
zu machen?
*Michael:* Ja, irgendwo hat jeder
Mensch sein Ebenbild - 'Seelenpartner' auf dieser Welt.
Nur stellt sich die Frage, ob man diesen Menschen finden
wird. Der Sinn des Lebens? Hier kommt wieder der Punkt
der Unzufriedenheit zum tragen. Scheint man am Ziel angekommen
zu sein und den Seelenpartner gefunden zu haben, kommt
vielleicht ganz schnell wieder die Unzufriedenheit in
uns hoch und treibt einen wieder in eine andere Richtung.
Manchmal ist der Wunsch groß die Unzufriedenheit
abstellen zu können. Mit sich selber im Einklang
zu sein. Die Zeit wird es mit sich bringen.
*a.jo:* Welchen Sinn (Tasten, Schmecken,
Riechen, Sehen oder Hören) schätzt ihr als Wichtigsten
und Unverzichtbarsten ein?
*Holger:* Ganz kurz: alle Sinne
sind wichtig. Stell dir vor, du könntest nicht mehr
sehen oder hören, nichts ertasten. Eine grausame
Vorstellung an die ich gar nicht denken möchte. Das
Tasten, das Berühren von anderen Dingen, Menschen,
möchte ich niemals missen, genauso das Schmecken
und Riechen. Ich komme zu dem Schluss, das alle Sinne
gleich wichtig sind.
*a.jo:* Warum hat man immer eine
unstillbare Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, habt ihr
dafür eine Erklärung (die Kunst des Unglücklichseins
vielleicht?) ? Oder kennt ihr dieses Phänomen nicht.
*Michael:* ich glaube, Menschen
die diese Sucht nicht kennen, sind oftmals glücklicher
und leben im Einklang mit sich selbst. Diese Sehnsucht
nach dem Unerreichbaren kann unglücklich machen.
Mit dem Erreichten nie zufrieden sein, das ist uns durchaus
bekannt. Vor allem spielt sich das in allen Lebensbereichen
ab. Manchmal zum Nachteil - der Beteiligten. Woher bzw.
warum hat man diese Sehnsucht? Gute Frage. Ich nehme an
das hat viel mit dem von früher erlebten und der
heutigen Einstellung zum Leben zu tun. Das Verlangen es
anderen Menschen beweisen zu müssen, obwohl das teilweise
ganz anders aussieht.
*a.jo:* Habt ihr schon irgendwelche
Tourdaten geplant?
*Holger:* Nein, es gibt noch nichts
Konkretes. Wir hoffen aber in Kürze wieder diverse
Gigs spielen zu können. Mal sehen, wir freuen uns
auf jeden Fall schon darauf spielen zu können.
|