Interview Bloom 11/2003

Interview mit In Mitra Medusa Inri!

Mit ihrem neuen Album "Darkness Between Us" melden sich das Mönchengladbacher Duo IMMI zurück!

Im letzten Jahr erschien das dritte Album (*"Dreams"*) von *In Mitra Medusa Inri*! Das Duo meldet sich nun mit *"Darkness Between Us"* zurück und Holger und Michael haben uns ein paar Fragen beantwortet.

*a.jo:* Was ist seit dem letzten Album *"Dreams"* (2002) bei euch passiert?

*Michael:* Seit der letzten Veröffentlichung konnten wir zahlreiche Gigs spielen. Wir hatten die Möglichkeit als Supportband mit *Crüxshadows* und *Escape With Romeo* einige Gigs zu spielen. Außerdem waren wir für einige Konzerte in England. Das war unsere erste UK Tour. Es war echt klasse. Die Menschen dort waren super freundlich und fanden unsere Musik gut. Das war für uns verwunderlich, da wir bisher wenig Feedback aus England bekommen hatten. Aber das hat sich nach diesen Gigs geändert. Außerdem begannen wir kurz nach dem Abschluss der Produktion von "Dreams" mit dem komponieren und schreiben neuer Songs. Wir müssen unsere Energie in Kreativität umsetzen und nutzen. Die Vorbereitung für die Live Gigs hat ebenfalls einen Großteil der Zeit in Anspruch genommen. Und nun ist ein Jahr vorüber und der neue Longplayer " Darkness Between Us" wird veröffentlicht.

*a.jo:* Gab es einen Auslöser, dass ihr mit der Arbeit "Darkness Between Us" begonnen habt?

*Holger:* Wir wollten ein Gesamtwerk schaffen. Klang "Dreams" für uns noch etwas verspielt, können wir mit "Darkness Between Us" sagen, einen großen Schritt nach vorne getan zu haben. Während wir die ersten Songs schrieben, wurde uns klar, das wir ein Konzeptalbum erschaffen werden. Der Auslöser war, wie bei "Dreams" auch, unserer Kreativität ein Ventil zu geben. Ebenfalls ist es uns ein Anliegen unsere Empfindungen und Ansichten über die aktuellen Geschehnisse in Wort und Musik darzustellen. Einerseits unsere Wut auszudrücken, wie in *"Do You Call That Human"*, als auch unsere Verzweiflung in Stücken, wie *"You Came From The Sun"*, herüberzubringen.

*a.jo:* Vor rund elf Jahren wurde euer Bandprojekt ins Leben gerufen, hättet ihr damals gedacht, dass ihr so lange Musik miteinander machen würdet?

*Michael:* Nein, davon sind wir nicht ausgegangen. Und zwischen diesen elf Jahren lagen mindestens drei Jahre Pause. Die Bandgeschichte ist sehr 'un-straight' verlaufen und gar nicht nach unserem Sinn. Es war aber immer so, auch während der langen Pause, das Holger und ich immer in Kontakt miteinander standen. Den Kontakt zum damaligen Sänger hatten wir abgebrochen. Doch bei Holger und mir ist es so, dass wir eine Art Seelenverwandtschaft haben. Wir kennen uns so gut, das wir wissen wie es dem anderen geht ohne das man miteinander spricht, ein Blick genügt. Die Lebenswege sind einfach so ähnlich verlaufen. Das verbindet uns miteinander.

*a.jo:* Inwieweit beeinflussen euch reale Themen wie politische Veränderungen (Krieg) oder Katastrophen in der Welt eure Lyrics?

*Michael:* Das hat bei dieser CD zum ersten mal Einfluss genommen. Gute Songbeispiele sind Stücke wie "Do You Call That Human" oder auch der CD Opener *"Darkness between us"*. Standen beim letzten Longplayer "Dreams" eher Themen, wie Liebe, Sehnsucht, Trauer im Mittelpunkt, sind jetzt noch weitere Veränderungen eingetreten: Wut, Krieg (die Wut über die Situation zwischen den Völkern) und die darunter in Mitleidenschaft gezogen werden. Man merkt immer wieder, wie machtlos man ist. So geben wir uns die Möglichkeit mit den beschriebenen Emotionen umzugehen. Kennst du das Gefühl, wenn du richtig Wut über verschiedene Dinge in dir spürst, die aber gar nicht richtig "loswerden" kannst? So haben wir uns eine Möglichkeit geschaffen. Und man darf gespannt sein, was in Zukunft bei uns passieren wird. Die textliche Weiterentwicklung, als auch die Musikalische wird hoffentlich weiter anhalten.

*a.jo:* In welcher Verbindung steht euer neues Album ("Darkness Between Us") zu seinen drei Vorgängern (*"Long Forgotten World"*, "In Mitra Medusa Inri" MCD, "Dreams")?

*Holger:* "Darkness Between Us" sehen wir ganz klar als eine Weiterentwicklung der ersten Alben. Viele Freunde die unsere neue Scheibe bereits gehört haben, sind der Ansicht, dass sich die Musik 'Erwachsen' anhört. Und vielleicht haben wir die Zeit benötigt. Elf Jahre sind eine lange Zeit. Doch erst jetzt haben wir das Gefühl "richtig" Musik zu machen. Wir können das schwer beschreiben. Das ist eher ein Gefühl. Und Gefühle sind immer schwer in Worte zu fassen. Musikalisch versuchten wir die Songs ausgefeilter und vom Arrangement her durchdachter zu arrangieren. Die positiven Elemente die In Mitra Medusa Inri ausmachen, weiter auszubauen. Die Elemente sind der Gesang und die Gitarren. Zentralthemen dieser Alben sind nach wie vor die Auseinandersetzung mit Verlust, Trauer, Einsamkeit. Das ist ein wichtiger Punkt für die Verbindung zwischen den Alben.

*a.jo:* Ihr habt bei "Dreams" mit *Thomas Elbern* (*Pink Turns Blue*, *Escape With Romeo*) zusammengearbeitet. Habt ihr eure gute Zusammenarbeit wiederholen können?

*Holger:* Wir haben uns bei "Darkness Between Us" für Olli Müller entschieden. HR. Müller produzierte bereits *SITD*, *Cyber Axis*. Es war eine Herausforderung für ihn, unsere Musik zu produzieren. Das war das Interessante an der Variante. In unseren Augen hat sich diese Zusammenarbeit ebenfalls, genauso wie die Arbeit mit T. Elbern, als eine gute Wahl herausgestellt.

*a.jo:* Warum habt ihr auf "Darkness Between Us" keine deutschen Songtexte? Ich erinnere mich an einen Beitrag von euch auf dem zweiten Nachtschwärmer Sampler "Lachen, Weinen, Einsamsein" ? Ist die Zeit vorbei für euch deutsch zu singen oder warum habt ihr euch für die kommerziellere Variante entschieden?

*Michael:* Englisch singen, ist kommerziell? Wir haben aber tatsächlich schon einmal überlegt einen deutschen Text einzusetzen. Bisher haben wir keinen Text geschrieben, der unseren Ansprüchen genügen konnte. Die Bild-Sprache im Englischen ist einfach besser. "Lachen, Weinen, Einsamsein" hatte unser damaliger Sänger geschrieben und veröffentlicht als wir uns schon längst von ihm getrennt hatten. Wir hätten den Song so nie veröffentlicht. Dennoch denken wir, dass die englische Sprache nicht kommerzieller, als die deutsche Sprache ist. Es gibt so viele Bands die deutsch singen. Ein gutes Beispiel ist hier H. Grönemeyer; der schreibt wirklich gute deutsche Texte. Vielleicht werden wir eines Tages mal ein Stück in deutsch bringen. Wir sind immer für Überraschungen zu haben.

*a.jo:* Ist es nicht schwierig in einer fremden Sprache Gefühle auszudrücken?

*Holger:* Es ist sogar noch einfacher in der englischen Sprache Gefühle auszudrücken. Nur als Beispiel, der Satz ‚mir geht es schlecht' lautet im Englischen zum Beispiel ‚I feel so bad', das hört sich doch direkt anders an. Die Bildsprache und Ausdrucksweise sind im Englischen vorteilhafter.

*a.jo:* Glaubt Ihr wirklich an die geflügelten Worte, dass die Zeit Wunden heilen kann? (z.B. *"Sometimes"*)

*Holger:* Das kommt auf die Situation an. Inwieweit eine Person, z. B. verletzt wurde. Das ist interessant! Du deutest den Text für dich, wie oben in der Frage beschrieben. Gemeint ist hier ein anderer Zustand. Aber jede/r HörerIn soll seine eigene Interpretationsweise entwickeln und die Dinge aus eigenen Gesichtspunkten sehen. Doch wieder zu deiner Frage zurück: Es kommt auf den Grad der Verletzung an. Wir haben letztens einen Zustand erlebt, den wir nicht mehr vergessen können und auch nicht wollen. Und die Person, die uns das angetan hat, werden wir nicht mehr in unser Leben treten lassen. Wenn Vertrauen missbraucht wird, sind die Verletzungen nicht immer zu heilen.

*a.jo:* Es gibt Verfechter, dass es auf der Welt zu allem einen Gegenspieler (Schmerz / Liebe, Gut / Böse) gibt? Glaubt ihr an diesen Dualismus?

*Michael:* Da gibt es einen Zwiespalt. Beziehst du es auf Menschen, so denke ich manchmal, dass es welche gibt, die "nur" Böse sind. Ich kann mir bei vielen Menschen nicht vorstellen, das sie auch Gutes in sich haben (Bush, Hussein). Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Menschen auch normal "Mensch" sein können. Oder kannst du dir das vorstellen? Haben diese Leute ein Gewissen? Ich mache mir Gedanken über 'kleine' Dinge, die ich mal gesagt habe, war es richtig oder war es falsch? Dennoch glaube ich, dass es einen Grossteil der Menschen einen sogenannten Gegenspieler in sich haben. Es wäre auch eine Schande, wenn nicht. 'Hass setzt Liebe voraus!' Doch die Vorstellung, dass ein Mensch, der hasserfüllt jemanden tötet auch lieben kann, ist schwer.

*a.jo:* "I Have Reached My Destination" - Könnt ihr euch vorstellen irgendwann ruhig in den Sessel fallen zulassen und zufrieden zusein? Für mich ist das irgendwie eine Art von Stillstand und Ende.

*Holger:* Nein, zum aktuellen Zeitpunkt können wir uns das nicht vorstellen. Wir sehen das genauso wie du. Stillstand ist der Anfang vom Ende. Michael und ich sind getrieben von einer gewissen Art der Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit treibt uns immer wieder dazu neue Songs zu schreiben und für uns persönlich voranzukommen. Vielleicht erreichen wir irgendwann einmal den Punkt (evtl. mit 70 Jahren). Aber momentan ist das nicht der Fall. Wahrscheinlich sind wir ewig auf der Suche nach der Zufriedenheit, nach dem Glück oder wie man das auch immer bezeichnen mag.

*a.jo:* Glaubt ihr an die Theorie, dass jeder auf der Welt eine Art zweite Hälfte (á la Seelenpartner) hat und auf der Suche nach ihr ist? Könnte, dass der Sinn des Lebens sein, dass man den Seelenpartner findet um ihn und dadurch sich selber glücklich zu machen?

*Michael:* Ja, irgendwo hat jeder Mensch sein Ebenbild - 'Seelenpartner' auf dieser Welt. Nur stellt sich die Frage, ob man diesen Menschen finden wird. Der Sinn des Lebens? Hier kommt wieder der Punkt der Unzufriedenheit zum tragen. Scheint man am Ziel angekommen zu sein und den Seelenpartner gefunden zu haben, kommt vielleicht ganz schnell wieder die Unzufriedenheit in uns hoch und treibt einen wieder in eine andere Richtung. Manchmal ist der Wunsch groß die Unzufriedenheit abstellen zu können. Mit sich selber im Einklang zu sein. Die Zeit wird es mit sich bringen.

*a.jo:* Welchen Sinn (Tasten, Schmecken, Riechen, Sehen oder Hören) schätzt ihr als Wichtigsten und Unverzichtbarsten ein?

*Holger:* Ganz kurz: alle Sinne sind wichtig. Stell dir vor, du könntest nicht mehr sehen oder hören, nichts ertasten. Eine grausame Vorstellung an die ich gar nicht denken möchte. Das Tasten, das Berühren von anderen Dingen, Menschen, möchte ich niemals missen, genauso das Schmecken und Riechen. Ich komme zu dem Schluss, das alle Sinne gleich wichtig sind.

*a.jo:* Warum hat man immer eine unstillbare Sehnsucht nach dem Unerreichbaren, habt ihr dafür eine Erklärung (die Kunst des Unglücklichseins vielleicht?) ? Oder kennt ihr dieses Phänomen nicht.

*Michael:* ich glaube, Menschen die diese Sucht nicht kennen, sind oftmals glücklicher und leben im Einklang mit sich selbst. Diese Sehnsucht nach dem Unerreichbaren kann unglücklich machen. Mit dem Erreichten nie zufrieden sein, das ist uns durchaus bekannt. Vor allem spielt sich das in allen Lebensbereichen ab. Manchmal zum Nachteil - der Beteiligten. Woher bzw. warum hat man diese Sehnsucht? Gute Frage. Ich nehme an das hat viel mit dem von früher erlebten und der heutigen Einstellung zum Leben zu tun. Das Verlangen es anderen Menschen beweisen zu müssen, obwohl das teilweise ganz anders aussieht.

*a.jo:* Habt ihr schon irgendwelche Tourdaten geplant?

*Holger:* Nein, es gibt noch nichts Konkretes. Wir hoffen aber in Kürze wieder diverse Gigs spielen zu können. Mal sehen, wir freuen uns auf jeden Fall schon darauf spielen zu können.