Sonic Seducer , Okt. 2002

IN MITRA MEDUSA INRI

Alles wird gut

 

1992 wurde die deutsche Wave-Formation In Mitra Medusa Inri gegründet, die sich dann aufgrund von ansprechenden Demoaufnahmen in recht kurzer Zeit einen überregionalen Status erspielen konnte. Aufgrund von internen Differenzen trennten sich die Gründungsmitglieder Holger und Michael nur drei Jahre später, anno 1995, von Volker, der ebenfalls von Beginn an dabei war. Ungefähr ein Jahr später meldete sich Mozart, seines Zeichens Umbra et Imago Frontmann und damals noch Betreiber des Spirit Productions-Labels wieder bei der Band, da die Anfragen nach IMMI nicht aufhörten. Die Band raufte sich also wieder zusammen und spielt den ersten Longplayer "Long Forgotten World" ein. Doch leider keimten nach einiger Zeit die selben Probleme, die auch schon damals zur ersten Trennung führten, wieder auf, was dazu führte, dass Holger und Michael erneut die Band verließen und Volker mit einem neuen Line-Up 1998 noch das zweite IMMI-Album "Commedia Del Arte" veröffentlichte.

"Aber dann war es soweit", berichtet Michael Gronau, Gitarrist und Soundkopf der Band, sichtlich zufrieden. "Volker ließ IMMI sterben. Wir sahen das als unsere Möglichkeit an, wieder mit dem weiterzumachen, was auch bisher unser Leben bestimmte. So lag es nahe, da wir zu den Gründungsmitgliedern von IMMI gehörten, das fortzuführen, was unser Lebensinhalt ist." Zwischenzeitlich hatten Holger und Michael bereits als Duo unter dem Banner My Personal Countdown Material veröffentlicht.

"My Personal Countdown konnte man als eine Art Projekt ansehen. Das war zu diesem Zeitpunkt das Ventil um unseren kreativen Output zu nutzen", erzählt Michael. "Unser Herz schlug höher als wir hörten, dass Volker nicht mehr als IMMI tätig war. Somit stand für uns der Entschluss fest: IMMI muss weiterleben. Es ist ein Teil von uns. Was wir auch unter My Personal Countdown produzierten, es war nicht das selbe wie unter dem Namen In Mitra Medusa Inri. Es ist wie ein Geist der über einem schwebt und halt etwas ganz besonderes."

Das neue Album, welches by the way von Escape With Romeo-Mastermind Thomas Elbern, in dessen Kölner Zeitklang Studio produziert wurde, klingt anders als bisher von IMMI gewohnt. "Die Songs auf dem Album "Dreams" stellen den derzeitigen Höhepunkt unseres kreativen Schaffens dar", zeigt sich Michael zuversichtlich. "Der typische Goth-Sound wechselt sich ab mit ruhigen, verträumten Songs und diese mit eher dancelastigen Tracks. Wir haben versucht auf dem Album die Verbindung zwischen Elektronik und Gitarre herzustellen. Wir haben das Gefühl, dass es uns gelungen ist. Wir haben - unseres Erachtens - eine 100%ige Steigerung erfahren." Erschienen ist "Dreams" auf dem etablierten deutschen Apollyon-Label, welches u.a. auch Acts wie The Last Dance und Engelsstaub beherbergt.

"Wir waren sehr lange auf Labelsuche", lacht Michael." Wir sind zwischenzeitlich auch einige Male ein wenig verzweifelt; wir dachten, das kann doch nicht wahr sein. Unsere Musik kann nicht so schlecht sein, dass uns kein Label signen würde. Dann kam Apollyon ins Spiel. Der Kontakt kam eigentlich auf dem herkömmlichen Wege zustande. Band versendet Demo-Tape bzw. CD-R ; Label hört sich das an - möchte ältere Songs hören, neuere Stücke, und außer der Musik muss auch die menschliche Seite stimmen. Bei Apollyon traf alles zu. Sie finden unsere Musik gut, wir kommen menschlich super miteinander aus. Die Zusammenarbeit läuft bestens. Wir haben das Gefühl, ein Label gefunden zu haben das voll und ganz hinter uns steht. Und das ist doch wirklich klasse!"

In der Tat. Textlich erscheint mir "Dreams" auch um einiges gereift, vor allem im direkten Vergleich mit früheren Werken. "Die Lyrics setzen sich mit dem Tod, Verlust, Trauer und Hoffnung auseinander, quasi mit dem was uns täglich umgibt. Eine Tatsache die uns erst beim zusammenstellen der Songs für das Album bewusst wurde. Die Texte behandeln sehr persönliche Dinge. Viel unseres Gefühlslebens geben wir durch die Texte preis. Wir denken aber, dass sind Dinge die viele Menschen auch für sich nachvollziehen können, vielleicht selber schon erfahren haben", gibt sich Michael Gronau nachdenklich. "An Tagen an denen einem alles hoffnungslos erscheint, in sich kehrt und fragt nachdem warum und wieso, kann ein Weg sein sich selbst zu finden. Kraft schöpfen und einen Neustart wagen, wird z.b. in dem Song 'This Is Just The Beginning' dargestellt. Ein andere Text handelt über den Tod eines guten Freundes, den wir somit zumindest ein wenig verarbeiten konnten. Die Beziehung zwischen Realität und Illusion bzw. Traum ist ebenfalls ein zentrales Thema. Die Realität bestimmt immer wieder unser Leben, holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. 50 Minuten möchten wir den Hörern die Flucht aus der Realität ermöglichen. Wir hoffen das gelingt uns mit "Dreams'".

In der nahen Zukunft werden In Mitra Medusa Inri wieder verstärkt live zu sehen sein, unter anderem auch mit den bereits erwähnten Escape With Romeo. "Wir hoffen, 2003 viel frequentierter live spielen zu können. Wir haben wieder Blut geleckt!", gesteht Michael grinsend. "Geplant sind auf jeden Fall auch Stücke des ersten Longplayers "Long Forgotten World" zu präsentieren. Holger wird singen, Denise M. die Keyboards betätigen und ich werde die Gitarre spielen. Auf jeden Fall werden die Liveversionen unserer neuen Song wesentlich gitarrenlastiger sein, als diese auf der neuen CD zu hören sind. Es kommt eine Menge Power rüber, die sich hoffentlich auf das Publikum übertragen wird. Wir sind selber sehr gespannt!". Es wird doch eben immer irgendwie alles wieder gut.

Thomas Thyssen

www.inmitramedusainri.com

www.apollyon.de