REZI Orkus, 04/2007

IN MITRA MEDUSA INR I
Eine Symbiose der Gegensätze

"Uns gibt es bereits zehn Jahre, und dann und wann stellt man sich die Frage, wie es weitergehen soll." (Holger Wagner)

Zwei Jahre sind verflossen, seit uns In Mitra Medusa Inri mit Without A View Of Things in die Dunkelheit des eigenen Seins begleiteten. Leiden scheint für die "IMMIs" Michael Gronau und Holger Wagner eine Art Passion geworden zu sein. So verbrachten die beiden die Zwischenzeit damit, den Frischling Kalte Farben mit hausgemachter Schwermut zu füllen.

"Das Leben ist nicht schlecht", relativiert Micha. "Schließlich gibt es in der Form nur ein Leben auf diesem Planeten. Eine chronische Melancholie zieht sich nicht allein durch dieses Album wie ein roter Faden, sondern durch sämtliche unserer sechs CDs. Wir machen Musik aus dem Bauch heraus, und das ist das Resultat. Unsere Weise, die schlechten Zeiten zu verarbeiten. Wir denken, dass jeder Mensch eine gewisse Melancholie in sich trägt. Bei dem einen ist sie mehr, bei dem anderen weniger vorhanden. Dennoch geben die Texte und die Musik Hoffnung. Es geht gewissermaßen immer wieder die Sonne auf. Bei der Auseinandersetzung mit den Lyrics wird dies sehr ersichtlich. Ja, die Texte sind in gewisser Form autobiographisch und spiegeln das Erlebte wider. Ist es doch besser, so ein Ventil für sich zu finden, als in anderen, viel schlimmeren Sachen. Blättere bloß mal die Zeitung auf. Du wirst wissen, was wir damit meinen und aussagen wollen." Sänger Holger ergänzt: "Wir verarbeiten mit unserer Musik die unschönen Aspekte des Lebens. Und beim genauen Hinhören wird man merken, es sind zum großen Teil Liebeslieder. Wenn auch in einer etwas anderen Form textlich dargebracht. Diese Dinge geben uns am meisten Material für unsere Texte und auch Musik. Wir machen nur das, was wir am besten können - In Mitra Medusa Inri sein!"

Einiges zeigt sich auf Kalte Farben gewandelt. Die Anzahl der Stücke mit deutschen Texten ist frappierend gestiegen. Straft sich Micha da nicht selbst Lügen? Schließlich hatte er früher verlauten lassen, die englische Sprache sei oft wesentlich lyrischer. "Das war ein sehr interessanter Prozess, der da stattfand. Als wir die Texte fertig hatten, wurde uns schlagartig bewusst, dass genau die vier Songs mit den deutschen Lyrics so sein sollten. Nennt man es Schicksal oder Zufall. Denn sie klingen nicht platt, haben eine gewisse Tiefe und Interpretationsbasis. Von Freunden wurde uns sogar bestätigt, dass uns Deutsch wirklich gut steht und man spürt, dass wir in der Sprache zu Hause sind. Das ist doch wahrhaftig ein schönes Kompliment."

Trotz der enormen Vorschusslorbeeren verlief die Kreativphase für die Mönchengladbacher aber nicht einfacher. Holger erklärt, warum: "Kalte Farben ist eines der schwierigsten Werke unserer Bandgeschichte. Weil a) wir privat unheimlich viele schwierige Dinge zu bewältigen hatten, und b) auch Überlegungen anstanden, wie es wohl mit In Mitra Medusa Inri weitergehen wird. Wir haben zwei Jahre an den Songs gefeilt und immer wieder etliches verändert. Ich hoffe, das hört man auch, dass wir uns entwickelt haben. Uns gibt es bereits zehn Jahre, und dann und wann stellt man sich die Frage, wie es weitergehen soll. Wohin wird uns dieser Weg führen? Sei es musikalisch oder privat. Dieser Veränderungsprozess zeichnet das aktuelle Album von In Mitra Medusa Inri aus. Anhand des letzten Titels Say Goodbye haben wir unter anderem versucht, den Kampf, der in uns stattfindet, musikalisch festzuhalten. Sagt Auf Wiedersehen und beginnt ein neues Leben im Hier und Jetzt. Lasst alte Schatten hinter euch verschwinden, geht den Weg des Unbekannten. Die Geister werden euch hoffentlich nicht einholen. Dennoch heißt es nicht vergessen - wir versuchen, eine Symbiose der Gegensätze zu schaffen."

Wer nun neugierig geworden ist und die Künstler eventuell sogar einmal persönlich treffen will, dem sei Kalte Farben umso mehr ans Herz gelegt. Denn wer das der Scheibe beigefügte Kreuzworträtsel löst, kann In Mitra Medusa Inri für ein paar Stunden gewinnen: "Wir werden für den/die Gewinner/in privat kochen und versuchen, einen möglichst netten Abend zu gestalten", freut sich Micha.

www.inmitramedusainri.com

Oliver Herwich

Discographie (Alben):
Long Forgotten World (1996)
Commedia Del Arte (1998)
Dreams (2002)
Darkness Between Us (2003)
Without A View Of Things (2005)
Kalte Farben (2007)

 

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