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IN
MITRA MEDUSA INR I
Kalte Farben und keine Fragen
IN
MITRA MEDUSA INRI sind eine in sich ruhende Konstante,
in der Flut von monatlichen Neuerscheinungen im elektronisch-orientierten
Wave-Sektor. Seit über einem Jahrzehnt veröffentlicht
die sympathische Formation mit schöner Regelmäßigkeit
immer wieder äußerst gelungene Alben, die mit dem musikalischen
Fastfood der Moderne nichts am Hut haben. "Kalte Farben",
das neueste Werk des Duos, reiht sich nahtlos in die Abfolge
dieser rundum stimmigen Full-Length-Scheiben ein. Wir
plauderten mit MICHA und HOLGER nicht nur über die letzten
Geschehnisse innerhalb der Band, doch lest selbst.
Guten Tag, die Herren. Erst
einmal Gratulation zur Vollendung des neuen Albums "Kalte
Farben". Die erste Frage liegt auf der Hand: Wie lange
habt ihr an dem guten Stück gearbeitet? Und wie steht
ihr zu den Songs, jetzt wo die Scheibe endlich veröffentlicht
ist?
MICHA: An unserer neuen CD haben wir circa zwei Jahre
gearbeitet. Haben wir doch vorher fast im Jahrestakt CDs
veröffentlicht, so haben diese Songs wesentlich mehr Zeit
benötigt. Wir haben die immer wieder umgearbeitet bis
wir endgültig zufrieden waren, und wir denken dass so
unser bisher eingängigstes Album entstanden ist. Die Songs
sind einfach klasse. Es ist wirklich einen gute Mischung
geworden aus dem was IN MITRA MEDUSA INRI ausmacht bzw.
auch in Zukunft ausmachen wird. Wir konnten selten unsere
eigenen CDs so oft zu Hause hören.
Wo seht ihr die größten Unterschiede,
aber auch Gemeinsamkeiten zwischen "Kalte Farben" und
eurem letzten Werk "Without A View Of Things"?
HOLGER: Unser neuer Longplayer hat natürlich die stimmliche
Gemeinsamkeit. Zum anderen aber auch die Atmosphäre für
die IN MITRA MEDUSA INRI bekannt sind. Bei "Without A
View Of Things" hatten wir eine ganz andere Herangehensweise
an die Songs. "Kalte Farben" ist sehr eingängig geworden,
und wir haben es geschafft die Stücke auf den Punkt zu
bringen. Wir haben Ohrwümer geschaffen, und kommen nun
endlich einmal von dem Statement weg, das wir nur ruhige
Musik kreieren, nur was für zu Hause. Zum anderen waren
wir selbst natürlich sehr motiviert unseren Fans und neuen
Hörern zu zeigen, dass wir nicht stehen bleiben, uns musikalisch
weiterentwickeln. Gerade wenn man ältere Veröffentlichungen
hört, sind wirklich viele Unterschiede auf den Alben festzustellen.
Angefangen bei der Bookletgestaltung, welches bei der
neuen CD dieses Mal wirklich sehr hell ist: Lila und Weiß
sind die dominierenden Farben. Eine andere Gemeinsamkeit
ist natürlich der unverkennbare IMMI-Sound. Die Gitarren,
die schönen Flächen und der Gesang.
Eine mit Sicherheit große Neuerung
zu euren letzten Alben, ist die Tatsache, dass ihr nun
auch eure Muttersprache benutzt. Wie schwer ist es, den
schmalen Grat zwischen anspruchsvollen Texten und Kitsch
zu begehen, ohne dabei auszurutschen? Was führte zu dieser
Entscheidung?
MICHA: Das war eine natürliche Entwicklung. Als die Texte
entstanden waren die vier deutschen Songtexte einfach
so gut, das wir fühlten und wussten die können wir so
stehen lassen. Sie bedürfen keiner Übersetzung. Wir haben
den Song "Keine Fragen" vorab auf unsere Homepage und
auf unsere MySpace-Seite gesetzt. Was soll ich sagen?
Der Song kommt so gut an, dass wir selbst ganz überwältigt
von den vielen positiven Resonanzen sind. Wir haben uns
tatsächlich keine Gedanken darüber gemacht, ob die deutschen
Texte zu kitschig sein könnten. Wir hatten das Gefühl,
das sie gut sind und eine wirkliche Harmonie mit der Musik
und mit HOLGERs Stimme ergeben.
Ihr seid mittlerweile alte Hasen
in der Szene. Wie beurteilt ihr persönlich die Wave- und
Goth-Szene anno 2007? Gibt es Dinge, die euch heutzutage
besser gefallen, als noch zu eurer Anfangszeit Mitte der
Neunziger Jahre?
MICHA: Zum Schlechten hat sich der Überfluss an Musik
entwickelt. Man wird nur so zugeschüttet mit Massenprodukten.
Zum größten Teil laufen so viele Dinge nur über Geld und
Beziehungen. Das nervt schon ziemlich. Der Ursprungsgedanke
aus dem die Szene entstand ist leider zu einem großen
Teil verloren gegangen. Warum versuchen immer so viele
auf einer Welle mit zu schwimmen und gehen nicht mal einen
anderen Weg? Eine nackte Frau auf dem Cover oder im Booklet
der CD abzulichten, oder in irgendwelche Futurepop-Gefilde
zu versinken, ist nicht wirklich eine bravouröse Leistung.
Was ich in Bezug auf IMMI immer
dachte, ist, dass euch wahrscheinlich nur ein waschechter
Hit fehlt, der in den Clubs rauf- und runtergespielt wird,
um euch auch endlich mal außerhalb
HOLGER: Wir haben uns sicherlich darüber gefreut, wenn
wir in Clubs mit diversen Songs liefen, es war nie wichtig
für uns. Das Komische bei uns ist, dass Leute, die uns
Live sahen, sich immer wunderten, dass wir noch nicht
bekannter sind. Auf dem M'Era Luna 2005, als wir samstags
morgens um 11 Uhr das Festival eröffneten, wurde uns anschließend
von so vielen Seiten gesagt "Jungs, ihr könnt wirklich
mit jeder großen Band mithalten!"
Ihr habt eine Mini-Tour, die
für Anfang Mai angekündigt wurde, leider abgesagt. Kurz
darauf folgten natürlich die Gerüchte, dass ihr euch getrennt
hättet, was natürlich Unsinn ist. Wie kam es zu der Absage?
MICHA: Es läuft leider im Leben nicht immer alles so wie
man sich es vorstellt. Gerade jetzt, wo das Album veröffentlicht
wurde, schmerzt es sehr, dass wir die Tour leider canceln
mussten. Getrennt haben wir uns nicht. Das muss hier noch
mal betont werden.
Eure Hoffnungen, Pläne und Träume
für die Zukunft?
HOLGER: Wir blicken ganz entspannt in die Zukunft. Wir
werden uns wieder hinsetzen, einen neuen Longplayer schreiben,
sehen dass sich im privaten Bereich alles wieder zum Guten
wendet. Und, so banal und abgedroschen es sich anhören
mag, einfach nur Gesundheit und wissen das man Freunde
hat, die auch in schwierigen Zeiten zu einem halten.
Thomas Thyssen
www.gothic-magazine.de
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