|
Vor 15 Jahren, nämlich im Jahre 1992, genau zu dem Zeitpunkt
als man den Wave tot glaubte wurde In Mitra Medusa Inri
ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, ihre Erlebnisse und Emotionen
in Musik umzusetzen, begannen Volker und Holger, zu denen
bald Michael stieß, ihr musikalisches Schaffen. Bereits
drei Jahre später wurde aber Aufgrund von internen Differenzen
trotz des beachtlichen Erfolges zunächst ein Schlussstrich
unter die Band gezogen.
Getrieben durch zahlreiche Anfragen
stand aber schon bald darauf, 1996, eine Re-Union zur
Diskussion. Nach ausführlichen Gesprächen, die ein Auftreten
der bekannten Differenzen ausschließen sollten, einigte
man sich auf einen Neubeginn. Die CD »Long forgotten world«
wurde produziert und verkaufte sich rund 2.000 Mal. Bedauerlicherweise
traten aber rasch wieder Probleme auf, weshalb sich Holger
und Michael vom damaligen Sänger Volker trennten, um neue
Wege zu gehen… Da Volker mit neuer Band eine weitere CD
unter dem Bandnamen In Mitra Medusa Inri veröffentlichte
firmierten Micha und Holger unter dem neuen Projekt My
Personal Countdown. Nach dem erneuten aus von (Volkers')
In Mitra Medusa Inri beschloss man 1998 dann wieder unter
dem alten Bandnamen weiterzumachen. Denn IMMI, eigentlich
eine phantasievolle Aneinanderreihung von Begriffen, hat
sowohl für Holger als auch für Micha dann doch eine tiefere
Bedeutung nach sich gezogen – denn diese Band ist und
war „ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens“.
...und nun, genau zwei Jahre nach
ihrer letzten Veröffentlichung »Without a View of Things«
präsentiert das Duo In Mitra Medusa Inri mit Kalte Farben
einen überraschend elektronischen aber zugleich auch gefühlvollen
und warmen Longplayer. Dazu „standen“ uns beide Rede und
Antwort:
Während Eure früheren Werke
wesentlich Gitarren-lastiger waren und immer wieder Vergleiche
wie »Joy Division« und »The Cure« genannt wurden, ist
Eure neue Veröffentlichung „KALTE FARBEN“ ja wesentlich
elektronischer, insgesamt gesehen sogar recht Electro-lastig
ausgefallen. Wie kam es zu dieser Umstellung Eures Sounds?
Holger: „Das war einfach ein Entwicklungsprozess.
Wir lassen uns immer treiben von dem was gerade Ideen-„technisch“
bei uns passiert. Vor allen Dingen versuchen wir nicht
uns einzuschränken und sind offen für uns neue Dinge.
Wichtig ist für uns allein, daß die Songs gut klingen
und wir damit zufrieden sind – ob sie nun elektronischer
ausfallen oder gitarrenlastiger. Wenn der Song gut ist,
dann lassen wir ihn so wie wir ihn gut finden. Vor allen
Dingen lassen wir uns nicht einschränken von irgendwelchen
Vorgaben oder Schubladen in die man gerne gesteckt wird.“
Eure
Songs sind aber doch im Bereich „warm und gefühlvoll schwarz“
anzusiedeln, welche nähere Bedeutung liegt deshalb dem
Albumtitel zugrunde?
Micha: „Wir spielen gerne mit
den Gegensätzen. „Kalt sind die Farben – kalt ist unsere
Welt“, so lautet es im Pressetext. Die Songs hingegen
sind warm und gefühlvoll. Wir möchten einfach ein Stück
Wärme vermitteln – in der Hoffnung, daß es uns gelingt.“
Stehen die einzelnen Stücke
Eures Albums in einem übergeordneten Kontext oder sind
es einzelne Geschichten? Verarbeitet Ihr in Euren Texten
die eigenen Erlebnisse oder sind es eher Beobachtungen
aus der Umwelt?
Micha: „Im Grunde genommen sind
es zum Teil, und in gewisser Art und Weise, Liebeslieder
oder erlebtes aus Beziehungen zu anderen Menschen. Aber
die Texte sind in erster Linie autobiographisch und wir
verarbeiten Dinge die uns in den letzten beiden Lebensjahren
während der Entstehung des Albums begleitet haben. Natürlich
immer in der Hoffnung, daß wir die HörerInnen damit ansprechen
und sie Zugang zu den Lyrics finden.“
Entstehen diese Songs und Lyrics
nach festen Regeln? Hat jeder von Euch beiden seinen angestammten
Aufgabenbereich?
Holger: „Nein, wir haben keine
Aufgabenteilung. Feste Regeln nach denen die Song entstehen
haben wir auch nicht. Manchmal gibt es zuerst den Text,
dann wiederum die Musik zuerst. Zumal wir dieses Mal die
Stück sehr oft umgearbeitet haben bis sie wirklich zu
dem wurden was nun „Kalte Farben“ darstellt. „How come
I can tell you“ wurde sogar nochmal eine Woche vor dem
Studiotermin komplett überarbeitet. Wir lassen uns auch
hier immer von unserem Feeling leiten."
Müsst ihr Euch denn dann auf
einen „gemeinsamen Nenner“ einigen, oder entstehen Konflikte
aus dieser engen gemeinsamen Arbeit an den Songs?
Micha: „Konflikte würde ich nicht
sagen. Es gibt Meinungsverschiedenheiten die dann ausdiskutiert
werden, aber vom Konflikt sind wir da weit entfernt. Ja
und wir kennen uns 15 Jahre – da weiß man wie der andere
tickt. Ein Glück. Und man weiß auch was dem anderen gefällt
und was nicht."
Wieso musste das Lied „Sag
mir wo die Blumen sind“, eine Coverversion und gleichzeitig
der Bonustrack auf „KALTE FARBEN“, fast 10 Jahre auf seine
Veröffentlichung warten?
Holger: „Ja warum? Wir haben es
aufgenommen und dann ergab sich nie die passende Gelegenheit
es auf ein Album zu packen – denn es hätte auf jedes andere
Album von uns wirklich nicht gepasst. Aber zum neuen Album
„KALTE FARBEN“ passte es wirklich hevorragend. Auch wenn
es bei vielen Leuten nicht so gut ankommt. Das stört uns
aber nicht sonderlich. Zum anderen möchten wir aber auch
zeigen, daß wir auch schon vor 10 Jahren deutsche Musik
gemacht haben. Wir haben diesem Song deswegen kein extra
Mastering oder ähnliches unterzogen, sondern es mit rauschen
und allem anderen auf die CD gepresst.“
Eure
Texte sind sowohl deutsch als auch englisch, war es von
Anfang an klar, daß deutsch in Euren Songs zum Einsatz
kommt?
Micha: „Das war eine natürliche
Entwicklung. Als die Texte entstanden waren die vier deutschen
Songtexte einfach so gut, daß wir fühlten und wussten:
»Die können wir so stehen lassen«. Sie bedürfen keiner
Übersetzung. Und wir wussten das ist genau das Richtige.
Wir haben den Song „Keine Fragen“ vorab auf unsere Homepage
und auf unsere mySpace-Seite gesetzt. Was soll ich sagen
– der Song kommt so gut an. Wir sind selbst ganz überwältigt
von den vielen positiven Resonanzen.
Wir haben uns tatsächlich
keine Gedanken darüber gemacht, daß die deutschen Texte
zu kitschig sein könnten. Wir hatten das Gefühl, daß sie
gut sind und eine wirkliche Harmonie sowohl mit der Musik
als auch mit Holgers' Stimme ergeben. Ja, und englisch
haben wir schon immer gesungen. Das ist ja dann nicht
unbedingt was neues für uns....“
Bei den vielen Rückschlägen
in Eurer Bandhistory muß man bei Euch ja fast schon von
„Stehaufmännchen“ sprechen. Was und wieviel bedeutet es
Euch Musik zu machen?
Micha: „Musik ist unser Lebensinhalt.
Und auch nach diversen Rückschlägen geht es immer weiter.
Immerhin schon über zehn Jahre."
Micha, welche Eigenschaften
schätzt Du an Holger besonders?
Micha: „Seine Ehrlichkeit und Aufgeschlossenheit
– dazu seine Treue und sein Witz"
...und umgekehrt?
Holger: „Ehrlichkeit, Ehrgeiz –
und Zielstrebigkeit“
Auch in Eurer Live-History gibt
es Rückschläge, aktuell mußtet Ihr ja Eure kompletten
Tour-Termine absagen. Wenn Ihr aber dann doch auf der
Bühne steht, spielt ihr dann lieber auf größeren Festivals
oder in kleinen Clubs mit Publikumsnähe?
Holger: „Das spielt eigentlich
keine große Rolle. Wir freuen uns über jeden Live-Gig!
Leider mussten wir aber die aktuellen Gigs ja komplett
absagen... Das tut uns wirklich sehr leid. Aber im Leben
läuft halt nicht alles so, wie es manchmal laufen sollte.“
Nennt uns mal Eure 3 liebsten
»IMMI«-Songs:
Holger: „»Sometimes«, »There is
no one calling« und »Keine Fragen«“ Micha: „»Nimm die
Lügen von mir«, »Never Shareing« und »Say Goodbye...«“
Eure allgemeine Botschaft an
die Fans?
Micha: „Glaubt an Euch selbst.
Es wird immer weitergehen auch wenn ein Ende Euch Nahe
scheint...“
|