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IN
MITRA MEDUSA INR I
Das Diktat des Fröhlichseins
In der
über zwölfjährigen Geschichte von In
Mitra Medusa Inri gab
es viele bewegende Momente, von denen nicht alle einfach
nur schön waren. Die Band musste sich entwickeln,
musste einige Tiefschläge einstecken und sich vom
Trio zum Duo verwandeln, um mit ihrem fünften Album
"Without A View Of Things" zu einer neuen kraft- und doch
gefühlvollen Identität zu finden.
Zillo: Glaubt ihr, dass
negative Erlebnisse im Leben Quellen sind, aus denen man
lernt, oder seht ihr darin eher eine Verschlechterung
des Lebens an sich?
Michael: Durch negative
Erfahrungen lernt man sich selbst besser kennen. Es sind
zwar oft harte Zeiten, die man als Mensch durchlebt, die
aber prägen und auch das Leben verändern können,
die Denkweise und die Sicht auf die Dinge, die um uns
herum geschehen. Denn ohne eine Sicht der Dinge - "Without
A View Of Things" - kann man auch ohne Meinung sein und
in Gleichgültigkeit abdriften. Aber genauso kann
ohne eine Sicht der Dinge bedeuten, dass man offen an
eine Sache heran geht, es geschehen lässt und das
Geschehene für sich als positiv auswertet - selbst
wenn es eine negative Erfahrung ist. Nein, negative Erlebnisse
sind keine Verschlechterung des Lebens, sondern können
Kraft geben, dass Leben mit all seinen Hürden und
Hindernissen zu meistern.
Zillo: Mit eurem neuen
Album bewegt ihr euch deutlich mehr zur wavigen Gitarre
hin, und auch sonst lassen sich einige Neuerungen wahrnehmen.
Waren diese Veränderungen gewollt oder ergaben sie
sich aus der Situation?
Michael: Die Veränderungen,
was die Aufnahme der CD betrifft, waren gewollt. Das ist
immer wieder das Versuchen andere Wege zu gehen und sich
auf andere Dinge einzulassen - einfach den gewohnten Weg
zu verlassen. Nur so kannst du zu neuen Erkenntnissen
gelangen. Versuche einfach immer wieder neue Pfade zu
beschreiten.
Zillo: In einer Zeit, in
der Musik mehr massenkompatibles Produkt als expressionistische
Kunst ist, ist eine Scheibe, wie die eure, ein gewagtes
Unterfangen - geht ihr doch gezielt an stilistischen Klischees
und Normen vorbei. Woher nehmt ihr die Kraft zur Eigenständigkeit?
Holger: Wir machen nur das,
was wir können, und das möglichst gut. Warum
sollten wir uns anpassen und Future Pop machen? Das ist
doch langweilig. Sich selbst treu zu bleiben ist wichtig.
Nehme unseren Bandnamen als Grundlage. Wir finden der
steht schon für Eigenständigkeit. Die Projektion
dessen findet sich in unserer Musik wieder.
Zillo: Kann man dieses
Fernhalten von der dumpfen Masse auch auf die Menschen
hinter In Mitra Medusa Inri übertragen?
Michael: Es kommt darauf
an, wen du als dumpfe Masse bezeichnen würdest. Sind
das die Big-Brother-Zuschauer, die Menschen die Dieter
Bohlen gut finden? Dann würde ich ganz klar sagen:
Wir sind anders! Wir setzen uns mit anderen Themen auseinander
und haben ein anderes Weltbild. Wir sehen uns aber gar
nicht als so etwas Besonders an. Wir schreiben Songs,
setzen uns sehr viel mit unserer eigenen Person auseinander,
reflektieren und sammeln Eindrücke. Werten diese
dann in einem kreativen Prozess für uns aus. Sicherlich
wird durch diese andere Weltanschauung eine gewisse "Nicht-Massenkompatibilität"
erreicht. Aber es wäre doch schlimm, wären die
Menschen alle gleich. Wie langweilig! Wir sind wie wir
sind, und das als ganzer Mensch.
Zillo: Wenn ihr einen Wunsch
frei hättet, einen den ihr allerdings nur auf die
gesamte Menschheit und nicht auf Individuen anwenden könntet,
was würdet ihr euch wünschen?
Michael: Das ist ganz einfach:
Frieden und Harmonie, Kommunikation unter den Menschen.
Nichts lieber als das. Es gibt ein Gefühl, dass die
Menschheit immer kälter zu werden droht und eine
Abschottung stattfindet. Klar, bei großen Katastrophen
findet eine Spendenflut statt, was auch super ist, aber
im Einzelnen regiert oft die Unterkühltheit, die
Distanz, das Nach- Außen-Cool-Wirken und bloß nicht
zeigen, dass man Gefühle hat. Man könnte ja
verletzbar sein. Genauso auch die Tatsache: Warum muss
man immer gut drauf sein? Das ist Shit! Sei so wie du
bist. Lass dich nicht verbiegen und verändern!
Peter "Pöda" Sailer
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