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IN
MITRA MEDUSA INRI
without a view of things
(apollyon/alive 2005)
einleitende
worte:
mit the view of
things haben in mitra medusa inri nun ihr drittes
album nach dem "relaunch" der band vorgelegt, wobei ich
an dieser stelle gestehen muss, das ich bisher keinen
einzigen tonträger der band kannte. aber dafür
hatte ich schon einmal das vergnügen, die band live
zu erleben und zwar als "vor"-band in der kufa. ich weiß
nicht mehr genau, welche band danach spielte, aber ich
meine es wäre ein crüxshadow-konzert gewesen.
(ich bitte um verzeihung, wenn das nicht der fall ist,
aber ich habe da etwas den überblick verloren. :-)
) das ist hier jedoch unerheblich. wichtig ist, dass sie
eine von insgesamt vier "vor"-bands sind, die mir nicht
nur namentlich sondern auch bildlich und musikalisch in
erinnerung geblieben sind (ich weiß sogar noch,
das da in einem song das wort "suicide" ziemlich oft wiederholt
wurde...). damals promoteten sie gerade ihre cd dreams.
die erste aufnahme als neu-formierte band. doch ich glaube,
ich sehe schon viele fragezeichen in den gesichtern derer,
die dies hier lesen. deshalb erst mal komando zurück,
und eine kleine einleitende faktensammlung zum thema:
in mitra medusa inri.
historisches:
in mitra medusa inri wurde im jahre 1992 als trio
gegründet. zwar konnten die drei herren damals schon
recht schnell einen plattendeal an land ziehen, der jedoch
erst nach kurzzeitiger auflösung und wiedervereinigung
der band genutzt wurde. ergebnis war der erste longplayer
"long forgotten world". hernach kam es zum endgültigen
split der band in zwei parteien. zum einen, der damalige
sänger volker, der dann noch ein platte alleine unter
dem namen "in mitra medusa inri" einspielte, und zum anderen
holger und michael, die zunächst ein neues projekt
in angriff nahmen, um dann im jahre 2001 wieder die zu
diesem zeitpunkt für tot erklärte und begrabene
band "in mitra medusa inri" wieder zu beleben. dies geschah
mit der cd dreams, der dann im jahre 2004 das album "darkness
between us" folgte. im jahre 2005 des herrn nun veröffentlichten
sie nun ihr neues album "without a view of things". womit
wir in der gegenwart wären...
das album: without a view of things
was erwartet nun den hörer bei diesem album? welche
art der musik? welche schublade passt am besten? nun alles
fragen die gar nicht so einfach bzw. gar nicht beantwortbar
sind. ich selber bin kein freund von kategorien, schubladen,
etc. und erfreulicherweise entzieht sich dieses album
den meisten. natürlich kann man es grob in den bereich
darkwave einordnen, aber so ganz passt es nicht. elektronische
elemente mixen sich mit indie-gitarren, piano-lines verweben
sich sperrig mit syntieklängen. und alles wird durchdrungen
von dieser wirklich angenehmen dunklen stimme des sängers.
die songs:
eröffnet wird das album mit dem titeltrack "without
a view of things". der track ist für mich der zwiespältigste
song des albums. an sich finde ich ihn ziemlich genial.
abgesehen von dem gewöhnungsbedürftigen intro.
dies besteht aus der gesprochenen deutschen übersetzung
des liedtextes. das ist erst mal strange. jedoch entwickelt
der song sich dann phänomenal bis zum ende wo dann
wieder in deutsch geendet wird. hernach kommt einer meiner
lieblings tracks : "her perfect beauty". perfektion im
anschein der dinge, herrliche indie-gitarrenriffs, wave-iger
sound, 80er retro-style. herrlich. diesem folgt mit einem
new-order-esken intro "red bursted veins" wenn man nicht
mehr kann, nicht mehr will aber es nicht endet, musikalisch
mit herrlichen gitarren, die ähnlichkeiten mit clan
of xymox aufwerfen, diese jedoch nicht wirklich ausloten
sondern dafür zu sehr in popige elektronische verspieltheiten
hineinfließen. (mein gott hört sich das abgehoben
an. kommt dem sound aber nah. zumindest für mich)
definitive einer der tanzbarsten songs des albums. danach
folgt "her eyes are crystal clear" . hmmm. für mich
ist dieser song nicht greifbar. finde nicht wirklich einen
zugang. vielleicht weil es ein bischen zu poppig ist?
irgendwie erinnert er mich an etwas. aber ich kann es
nicht wirklich fassen. es flüchtet bevor ich es greifen
kann.. hmmm.. mit "rejected and forgotten" kommt ein song
der wieder sehr 80er daherkommt, mit starken gitarren
und sehr düster, schon fast etwas sisters-mäßig,
und mich vor allem in der anfangsphase des liedes an 70er/80er
sf - filme erinnert wie "logans run", "silent in space"
und "das schwarze loch". warum weiß ich nicht. dann
kommt "timeless space of sadness" ein herrlich melancholisch,
wave-elekro-synthie-gitarrig-eingängiges lied (ich
weiß, mit diesen wort-konstruckten stoße ich
an manche schmerzgrenze.) hernach folgt "what i think"
das textlich nicht allein den liebe/schmerz aspect wiederspiegelt
sondern sich der welt als ganzes zuwendet. eingängig,
wave-esk mit elektronischen schnörkeln. das bringt
uns zu dem tanzstück an sich "trapped in unhappyness"
very elektro futur-poppig, gegensätzlich zum text
ist die melodie verspielt, leicht, schon fast fröhliche
melodie, very tanzbar und, im vergleich zur ganzen cd,
herrlich kurz. "enjoy the moment" der sterbende moment
einer beziehung, in dem man weiterlebend, ewiglich gleich
weitergeht, weitergehen muss, auch im vergleich zum inhalt
recht fröhlich ich liebe diese wave-indie gitarrenriffs.
dann der harte brocken..."calling it a thing is wrong"
das intro mit der mischung von piano und sagen wir mal
"sprechgesang" ist gewöhnungsbedürftig und sperrig,
und gleitet dann in ein ebenso sperriges songgefüge.
gothisches leiden in perfektion.die chaotische ordnung
erinnert mich ein wenig an *** von garbage. "when i´m
at home" wieder diese herrlichen treibenden indie-wave
gitarren, und ein text der bittersüße hoffnung
und melancholie verbreitet.erkenntnis, resignation und
gleichzeitig hoffnung. "wollte meine liebe auf händen
tragen" beendet nun den melancholischen liederreigen.
und hiermit kredenzen uns in mitra medusa inri etwas wirklich
besonderes. das stück als solches ist ein instrumental,
jedoch gibt es dazu einen text im booklet, der zu einer
kreativen auseinandersetzung mit der musik einläd.
das ist doch mal was neues. wobei ich das instrumental
wunderschön finde. und der text die gesammte cd sehr
gut auf den punkt bringt.
das element was alle songs verbindet
ist die liebe. oder eher der moment zwischen liebe-schmerz-melancholie-wut-resignation
und angst. die seele die schreit, aber keine stimme hat.
all das was nie ausgesprochen werden wird, und somit das
ende besiegelt.
".trotzdem, glücklich mit
der liebe bin ich nicht." . wollte meine liebe auf händen
tragen
fazit:
aber was ist es nun für ein album? für pop zu dunkel,
für dark wave zu popig, für elektro zu indie,
für futur-pop zu un-tanzmäßig. natürlich
gibt es kritik punkte. die songs sind meist recht lang,
wiederholen sich intern, manches wirkt zu glatt, der gesang
verschwimmt und verschwindet hinter den gitarren, der
elektronik und allem. und ja, vieles kommt einem irgendwie
bekannt vor. hier ein bischen cure, da clan of xymox,
die sisters, und und und. aber nicht im negativen copy-cat
style, sondern die ähnlichkeiten drängen sich
vor allem deswegen auf, da der sänger holger meyer
ein ähnliches göttlich tiefes timbre hat wie
ein andrew eldrige oder ein ronny moorings. und die herrlichen
indie-wave-gitarren riffs a la cure finden sich sogar
auf den wir sind helden alben. es ist mehr wie ein modernes
good-old-fashioned album, zwar sehr ruhig auf den ersten
blick, aber wo man sich gerade deshalb schnell zuhause
fühlt, herrlich ganzheitlich in seiner art, wie ich
bisher wenige in händen gehalten habe, mit liebe
zum detail und ansatz zum nachdenken. wirklich empfelendswert!
nachbemerkung:
in den letzten wochen teste ich die cd an den verschiedensten
leuten, alle sehr unterschiedlich in charakter, wesen
und vor allem in ihren hörgewohnheiten. hier sind
drei beispiele:
1.
ein raum, zwei computer, zwei leute die sich unterhalten.
der eine schwarzer-szene-partygänger, die andere
multicolor-musik-lieb-habende-konzert-und-partygängerin.
reden über musik. über eine band. [green]er:
was machen die eigentlich für musik?[/green][yellow]sie:
na ja. hm. wie soll ich dir das erklären. elektronisch
mit gitarren.wavig.[/yellow] [green]er (guckt unverständlich)
: hä? [/green][yellow] sie: ist schwer zu erklären,
vor allem da du ja nicht so wirklich das musikalische
grundwissen hast, um vergleiche ranzuziehen.ich schmeiße
die cd mal in den player.[/yellow] kurze pause. musik
ertönt. [green]er: was ist das.. ein deutscher text.
das ist doch kein gesang. boh. das ist echt nicht mein
stil.. ne überhaupt nicht.ne.. [/green]an dieser
stelle brechen wir ab und spulen die szerie etwas vor.
sie betätigte sich am computer und kämpfte mit
der richtigen formulierung eines textes, während
er seine wäsche von der leine nimmt und im hintergrund
besagte cd fröhlich (oder eher melancholisch) weiter
rotiert.(szene spielt sich in seiner wohnung ab, da ihr
computer wiedermal zickte) sie grinst immer breiter. warum?.
weil er immer wieder beginnt melodien mitzusummen, textzeilen/refrains
mitzusingen und zu guter letzt auch noch damit beginnt
dezent seine hüften zu schwingen, während er
seine zum größtenteil dunkle bekleidung von
der leine nimmt.[yellow] sie: so, so, ist also nicht so
deine tasse tee.?[/yellow] hämisches grinsen bei
ihr.ha ha erwischt. [green]er: also. hmm. das ist echt
nix worauf ich tanzen würde. zum party machen ist
das nicht geeignet. aber. hmm . irgendwie hat das was.
also für die disse nicht, aber so zum, hmmm.. [/green][yellow]
sie: .zum chillen ???[/yellow] [green] er: ja, genau.
so chill-mäßig.[/green]
2.
ein telefongespräch. alltägliche
dinge.dann die frage von ihr (mid-thirty-something mit
fatalem hang zu phil collins und herbert grönemeyer):
was hörst du eigentlich da für musik? sie (mulitcolor-etwas
aus schon vorheriger geschichte) : ach das ist eine cd,
zu der ich gerade an einer rezi arbeite. sie: das hört
sich ja echt gut an. wer ist denn das? sie versucht zu
erklären. stille. sie : weißt du was ich bringe
die cd morgen mal mit dann kannst du ja mit mir mal reinhören.
sie: hey das ist ne gute idee, bin da mal gespannt.
3.
ein raum. ein computer. eine nähmaschine. zwei frauen.
mutter und tochter. die tochter erzählt geschichte
nummer eins. die mutter (fifty-something-nearly-sixty
mit einer vorliebe für alte schlager, jazz und dunklen
frauenstimmen) schmunzelt : kann ich mir bildlich vorstellen.
aber was ist das denn jetzt für musik. die tochter
(multicolor-twenty-nearly-thirty-something) ja weißt
du. versucht zu erklären. scheitert. weißt
du was ich spiele es dir vor. die musik beginnt.. die
mutter: och, das ist doch angenehm. das gefällt mir.
auch endlich mal ne wirklich angenehme stimme. nicht so
schrill (sie hasst hohe stimmen!!!) weiß gar nicht
was XYZ so schlimm daran fand. die tochter: fand er ja
auch nicht, würde er nur nie so ganz zugeben...
.... ich durfte feststellen, dass
viele leute, der unterschiedlichsten art, einen zugang
zu der musik finden und sie sehr schnell mögen...
tragisch dabei ist, dsas wohl viele die möglicherweise
diese cd mögen oder lieben würden, nie auch
nur einen ton davon hören werden, weil solche musik
ja nicht im radio, im fernsehn oder in der disco gespielt
wird... echt schade...und sehr dumm... also leute versucht
einfach mal reinzuhören, ihr werdet überrascht
sein!!!
www.kraehenfeld.net
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