Interview Sonic Seducer, Juni 2005

IN MITRA MEDUSA INRI
Auf dem Weg zum Durchbruch?

Trotz etlicher Jahre im Geschäft, hat die Formation In Mitra Medusa Inri nie wirklich den letzten Schritt in Richtung Durchbruch vollzogen. Und dies, obwohl alle Alben - mittlerweile immerhin fünf an der Zahl - qualitativ hochwertig sind. Was fehlt, ist anscheinend der letzte Kniff, das letzte Quäntchen Glück, oder vielleicht doch nur der eine durchschlagende Clubhit? Mit "Without A View Of Things" (Apollyon/Soulfood) ist jetzt zwar besagtes fünftes erschienen; ob sich am Status der Band dadurch jedoch etwas verändern wird, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass auch die neue Silberscheibe wieder gewohnte In Mitra Medusa Inri-Qualität bietet, diesmal sogar erneut verstärkt gitarrenorientiert. Holger Meyer und Michael Gronau, die beiden kreativen Köpfe hinter dem seltsamen Bandnamen, standen uns Rede und Antwort und erläuterten uns ihre Sicht der Dinge im folgenden Interview.

"Unser erstes Album erschien damals noch noch auf Mozarts Label Spirit Records, wohingegen die letzten drei CDs bereits bei Apollyon verööffentlicht wurden", blickt Michael zurück. "Wenn man die beiden Vorgängeralben zu ‚Without A View Of Things' mit in Betracht zieht, also ‚Dreams' und ‚Darkness Between Us', ist der neue Silberling eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was auf den beiden letzten Scheiben bereits verewigt wurde. Wir spielen immer ein wenig mit den Komponenten. ‚Darkness Between Us' beinhaltete nicht mehr so viele Gitarren, was wir aber auf dem neuen Silberling wieder geändert haben, teilweise sind in manchen Songs drei bis vier verschiedene Gitarrenspuren aufgenommen worden. Von daher ist auch die ganze Produktion wesentlich aufwändiger geworden, als noch bei den letzten Alben. Mit wirklich cleanen und trockenen Gitarren haben wir dieses Mal verstärkt gearbeitet, die alle ohne großartige Effekte eingespielt wurden."

Generell macht der neue Silberling wieder einen eher introvertierten und verspielten Charakter, was vielleicht auch an den angesprochenen, eher sauberen Gitarren liegen mag. Dennoch schaffen es In Mitra Medusa Inri mit ihrer Mixtur aus klassischem Gitarren-Wave und elektronischen Spielereien, irgendwie die Brücke zwischen älteren Clan Of Xymox und neueren Diary Of Dreams zu schlagen. Michael dazu: "Da können wir sehr gut mit Leben. Es ist nun mal so, dass Vergleiche angestellt werden. Und mit diesem Vergleich werden wir dich auf jeden Fall nicht in einen dunklen Hinterhof locken. Was das Verspielte angeht: Wir probieren immer wieder neue Dinge aus und lassen unsere Kreativität fließen, ohne uns selbst irgendwelche Grenzen zu setzen."

Gibt es denn einen thematischen roten Faden, der sich durch den Silberling zieht? Man kann durchaus Ansätze für diese Thesen finden, wenn man sich näher mit den Texten der Scheibe auseinandersetzt. "Wir uns wieder sehr viele Gedanken zum Thema des Albums gemacht", schaltet sich Holger ein. "Es ist, wie die anderen Alben auch, ein Konzeptalbum, das man in seiner Ganzheit verstehen muss. Das beginnt beim Booklet geht über die Musik und endet letztendlich bei den Texten. Wir hoffen mit unserer Musik die Menschen zusammenführen zu können. Wir glauben an das Gute im Menschen. Ein zentrales Thema ist das sich öffnen. Gehe mit freien Gedanken durch die Welt; baue Vorurteile ab, stehe zu deinen Gefühlen. Ohne aber die Sicht für die Dinge zu verlieren." In Mitra Medusa Inri gibt es mittlerweile, wie bereits angedeutet, schon eine lange Zeit. Trotz alledem hat es leider nie für den großen Wurf gereicht, obgleich das Duo manch einer etablierteren Szeneband erfahrungstechnisch locker das Wasser reichen kann.

"Wir glauben einfach, dass die Zeiten sich geändert haben", erklärt Holger seine Perspektive. " Betrachte die Clubsituation. Dort werden ja fast nur noch Elecro-Songs gespielt. Da hat es eine Band, die sich bewusst dagegen entscheidet, natürlich unheimlich schwer. Was wir aber immer wieder ganz extrem feststellen ist, dass die Menschen, die uns live auf der Bühne erlebt haben, immer sehr überrascht sind, wie kraftvoll unsere Musik doch rüberkommt. Klingt es auf CD teilweise ruhiger, ist es live genau das Gegenteil. Wir haben bisher immer ein sehr positives Feedback bekommen. Hinzu kommt natürlich auch noch, dass unsere Musik keine leicht verwertbare Kost ist. Eine Auseinandersetzung mit den Stücken und den Texten ist natürlich nicht zwingend vorgeschrieben, erleichtert aber doch schon unsere Musik und unsere Ansätze zu verstehen. Ein gutes Beispiel ist hierfür der Titelsong. Hier haben wir hundertprozentig den Nagel auf den Kopf getroffen. Musik und Text verschmelzen zu einem Ganzen und die Musik drückt genau das aus, was der Text transportieren soll."

In Mitra Medusa Inri werden in diesem Jahr auch auf unserem Sonic Seducer M'era Luna-Festival auftreten, was für die Band natürlich eine große Herausforderung, aber auch eine ebenso große Möglichkeit darstellt. "Wir würden sagen, dass wir Blut geleckt haben", lacht Holger. "Es macht immer mehr Spaß live zu spielen. Gerade auch nach dem letzten sehr erfolgreichen Jahr. Und dieses Jahr ist natürlich, keine Frage, das M'era Luna-Festival der absolute Höhepunkt für uns. Zumal wir festgestellt haben, dass wir auf der Bühne immer mehr Menschen durch unsere Musik überzeugen. Viele sind halt überrascht, die bisher nur den Namen kannten und dann die Musik hören, die sich dahinter verbirgt."

Thomas Thyssen

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